Ziele der Abteilung


Deutschstunde Das staatliche tschechische Gymnázium F.X.Šaldy v Liberci, dem früheren Reichenberg, benannt nach dem renommierten Literaturkritiker und Theaterautor Franz Xaver Šalda, feierte im Jahre 1995 den 75. Jahrestag seiner Gründung. Seit 1990 gab es an der Schule Bestrebungen zum Aufbau eines bilingualen deutsch-tschechischen Zweiges, die zur Einrichtung einer Deutschsprachigen Abteilung führten, in der neben tschechischem auch deutschsprachiger Fachunterricht mit dem Ziel erteilt wird, die Absolventen zur Erlangung eines Zeugnisses der deutschen allgemeinen Hochschulreife zu befähigen. Im laufenden Schuljahr 2001/2002 besuchen diese Abteilung ca. 180 Schüler/innen, denen z. Zt. von acht aus der Bundesrepublik Deutschland entsandten Lehrkräften deutschsprachiger Fachunterricht in Deutsch, Mathematik, Physik, Chemie, Biologie, Erdkunde und Geschichte erteilt wird.

Computerraum Die Schüler/innen werden ab Klasse 10 in diesen Fächern nach deutschen Lehrplänen unterrichtet. Hier ist die Unterrichtssprache Deutsch. Der Vorbereitung darauf dient besonders intensiver Deutschunterricht in den ersten beiden Jahren des Gymnasiums. Den Unterricht in den anderen Fächern erteilen tschechische Lehrkräfte in tschechischer Sprache. Ziel beider Einrichtungen ist es, die Schüler/innen zum tschechischen Sekundarabschluss (maturitní zkouška) und zur deutschen allgemeinen Hochschulreife (Abitur) zu führen. Eine Besonderheit dabei ist, dass der tschechische und der deutsche Abschluss in einer Prüfung gemacht werden, d.h. tschechische und deutsche Noten zählen auf beiden Abschlusszeugnissen und werden wechselseitig anerkannt. Die bilinguale Ausbildung am Šalda-Gymnasium hat vor allem fünf Zielaspekte:

  1. Die Doppelqualifikation
    Unseren Absolventen wird mit diesem Abschluss der freie Zugang zu Bildungseinrichtungen in allen Staaten der Europäischen Union garantiert. Als sogenannte Bildungsinländer können sich die Abiturienten darüber hinaus an jeder deutschen Hochschule wie einheimische Studenten um Studienplätze und Fördermittel bewerben.

  2. Die Ausbildungsfunktion
    Die Schüler und Schülerinnen unseres Gymnasiums haben im Laufe ihrer Schulzeit reichhaltige Erfahrungen mit den unterschiedlichen Lehr- und Lernprogrammen ihrer tschechischen und deutschen Lehrkräfte machen können, die sie - aufgrund der hohen Anforderungen der miteinander konkurrierenden Curricula - in ganz besonderer Weise zu einer akademischen Ausbildung qualifizieren sollten.

  3. Die Brückenfunktion
    Die Absolventen bilingualer Schulen erscheinen, gerade weil sie in zwei Kulturkreisen aufwachsen bzw. zuhause sind und im Rahmen ihrer Ausbildung immer wieder grenzüberschreitende Erfahrungen machen werden, prädestiniert für interkulturelle Kooperationen vor allem in den Euroregionen, deren kulturelle Vielfalt zum Gradmesser eines künftigen multikulturellen Europa werden könnte.

  4. Die Bildungsfunktion
    Das Bildungsangebot des Erwerbs der Zweitsprache Deutsch beinhaltet gleichzeitig den Zugang zur deutschsprachigen Kultur, Politik und Gesellschaft und kann somit auch als Beitrag zur auswärtigen Kulturpolitik der Bundesrepublik Deutschland verstanden werden.

  5. Die Dienstleistungsfunktion
    Bilingual ausgebildete junge Menschen werden gerade in den grenznahen Räumen des künftigen, größeren europäischen Binnenmarktes begehrte Fachkräfte in der Produktion, Verwaltung oder im Dienstleistungsbereich darstellen. Absolventen unserer Schule studieren bereits seit Jahren an deutschsprachigen Universitäten und Fachhochschulen und bereichern mit ihren Vorkenntnissen und Erfahrungen das Lehr- und Lernklima ihrer Ausbildungsstätten. Sie stellen darüber hinaus ein beachtliches Reservoir an hochqualifizierten und motivierten jungen Männern und Frauen dar, deren Potential für das vereinigte Europa von morgen gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Bibliothek Für die kommenden Schuljahre ist von einer Zweizügigkeit der deutschsprachigen Abteilung auszugehen. Angestrebt ist mittelfristig der Ersatz des "Nulljahres" durch einen früheren Einstieg in den erweiterten DaF-Unterricht und damit eine Ausweitung der deutschsprachigen Abteilung auf den Bereich der Sekundarstufe I. Zu unseren gegenwärtigen bzw. künftigen Partnerschulen im deutschsprachigen Ausland zählen Aachen, Grafing, Hamburg, St. Gallen, Vilsbiburg und Wiesentheid. In Wiesentheid erhalten Absolventen unserer Schule darüber hinaus in jedem Jahr die Möglichkeit - im Rahmen eines einjährigen Internatsaufenthalts - Land und Leute ihres Gastlandes noch besser kennenzulernen und die eigenen Sprachkenntnisse zu vertiefen. In den letzten beiden Schuljahren ist es uns erstmalig gelungen, einer ganzen Klasse (12. Jahrgang) ein Betriebspraktikum in Deutschland anzubieten, das von allen Beteiligten als großer Erfolg angesehen wurde. Austauschprogramme, Veranstaltungen und Projekte mit europäischem Charakter, wie z.B. unsere politischen Seminare in Berlin oder die regelmäßigen Begegnungsveranstaltungen mit deutschen und polnischen Jugendlichen im schlesischen Kreisau sowie die Erfahrung mit den vielen engagierten ausländischen Lehrkräften vermitteln den Schülern und Schülerinnen ein hohes Maß an Flexibilität, Wissen und Problembewusstsein, das sie nicht nur generell auf ein Fachstudium im In- und Ausland, sondern auch besonders gut auf das Zusammenleben in einem grenzenlosen Europa des 21 Jh. vorbereiten sollte.

Austauschprogramme mit Schulen in Deutschland, Veranstaltungen und Projekte mit europäischem Charakter und ganz generell die Erfahrungen mit den Lehrkräften aus beiden Ländern und ihren unterschiedlichen methodischen und didaktischen Vorgehensweisen im Unterricht vermitteln den Schülerinnen und Schülern ein hohes Maß an Flexibilität und eingehende Kenntnisse des deutschen Alltagslebens, deutscher Kultur und Politik, so dass sie nicht nur auf das Studium in beiden Ländern, sondern auch besonders gut auf ein multikulturelles vereinigtes Europa der Zukunft vorbereitet sind. 

Tel. + fax: +420 / 482 710 660            deutsch@gfxs.cz