Lilo Hotz-Demmler
Ministerialrätin
Beauftragte der KMK
für deutsche Auslandsschulen

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Hessisches Kultusministerium Postfach 3160
65021 Wiesbaden

 

HESSISCHES

KULTUSMINISTERIUM

 

Grußwort zur 10-Jahresfeier

Das zehnjährige Jubiläum der deutschsprachigen Abteilung am Gymnasium F.X. Šaldy fällt symbolträchtig in das „Jahr des Dialogs zwischen den Kulturen“, das die Vereinten Nationen ausgerufen haben. Zu diesem Dialog kann die Schule — nicht zuletzt anlässlich ihres Jubiläums einen wichtigen Beitrag leisten.
Ein Jubiläum ist stets aber auch ein schöner Anlass zum Gratulieren und Danken, zur Rückschau und Vorschau.

  „Lediglich zehn Jahre deutschsprachige Abteilung, das ist doch kein Grund zu feiern!“, mag manch einer kritisch einwenden. Dem ist entgegenzuhalten, dass eine Schulgemeinde feierliche Anlässe, fröhliche Schulfeste, Tage der offenen Tür — kurz: über den Unterricht hinausweisende Veranstaltungen braucht. Sie sind das Gegengewicht zu der nicht immer nur frohen oder nur beschwingten Arbeit des Alltags. Bekanntlich sind Lernen und Unterrichten anstrengende, oft mühsame Vorgänge. Besondere Anlässe beleben. Sie setzen kreative Kräfte frei, wecken den Gestaltungswillen, machen Gemeinsamkeit zum Erlebnis, schaffen Erinnerungen, motivieren und erzeugen darüber auch Zukunft. In diesem Sinne ist der zehnte Geburtstag der deutschsprachigen Abteilung wahrlich ein guter Grund zu feiern.

  Zu danken ist der tschechischen Regierung und der Leitung dieser Schule, dass sie sich schon bald nach 1989 zu diesem bilingualen Angebot in der Stadt Liberec entschlossen haben. Die Entscheidung war der Auftakt zu einem Experiment, dessen guter Ausgang nicht von vornherein gesichert war.
Nicht weniger zu danken ist den Eltern und den Schülern, die sich in den vergangenen zehn Jahren für dieses zweisprachige Gymnasium entschieden haben. Es stellt immer ein Wagnis dar, das eigene Kind an einer Schule anzumelden, die mit ihrer Zweisprachigkeit einen hohen Anspruch vertritt und für alle Beteiligten Belastungen mit sich bringt. Denn: Je höher die schulischen Anforderungen, desto größer ist eventuell auch die Gefahr des Scheiterns. Inzwischen ist die Schule über Anfangsschwierigkeiten und Unwägbarkeiten hinweggekommen. Sie ist fester Bestandteil des Schulwesens in Liberec . Eltern und Schüler rechnen mit ihr. Es hat sich herumgesprochen, dass sich die Anstrengungen lohnen, die den Schülern und Schülerinnen abverlangt werden. Die tschechische Maturität und das Zeugnis der deutschen allgemeinen Hochschulreife bilden zusammen eine vorzügliche Grundlage für den Start ins Studium oder den Eintritt in das Berufsleben.
Anerkennung gebührt auch den Lehrkräften des Gymnasiums F.X. Saldy. Das zweisprachige Programm verlangt von ihnen Einsatz über die normalen Dienstpflichten hinaus. Vieles im Bereich von Theorie und Praxis bedarf an einer zweisprachigen Schule des zusätzlichen Nachdenkens, der besonderen Abstimmung und schließlich der kritischen Überprüfung.

  In der Anfangszeit musste die deutschsprachige Abteilung ohne eigenen Leiter auskommen. Die Schule verwaltete über drei Jahre lang die Abteilung in eigener Regie. Sie wurde dabei unterstützt von dem damaligen Fachberater und Koordinator Dr. Olaf Müller. Erst 1994 übernahm der inzwischen verstorbene Studiendirektor Hans-Peter Schleuning die leitende Funktion. Das Amt wurde dann 1997 Herrn Studiendirektor Hans-Jürgen Liske übertragen, der es bis zum heutigen Tage wahrnimmt. Die Schulleiterin Frau Dr. Přádná und ihre Stellvertreterin Frau Danajovičova. als Verantwortliche für die gesamte Schule sorgen für Kontinuität und einen stabilen schulischen Rahmen. Sie verdienen besondere Erwähnung, und ihnen ist besonders zu danken.

  In der Sache selbst will das Gymnasium F.X. Šaldy mit seinem sechsjährigen deutschsprachigen Zweig nicht nur ideeller Mittler der deutschen Sprache und Bildung sein, sondern die Schülerinnen und Schüler ganz praktisch und handfest mit einer Doppelqualifikation ausstatten. Dass seit 1996 mehr als 200 Schüler und Schülerinnen dieses Ziel erreicht haben, ist Anlass zu großer Freude und Genugtuung. Darüber hinaus versteht sich die Schule als ein Forum der Begegnung für Menschen unterschiedlicher Herkunft und Tradition. Miteinander sprechen, Vorurteile überwinden, sich verständigen und verantwortlich handeln heißen die Grundsätze. Das sind hoch gesteckte Ziele. Nicht immer ging es bei der praktischen Umsetzung dieses anspruchsvollen Schulprogramms ohne Spannungen und Kontroversen ab. Doch mit wachsendem Bewusstsein aller Beteiligten für den gemeinsamen Auftrag, mit der Abnahme von Vorbehalten und der Zunahme von Vertrauen gelingt die interkulturelle Zusammenarbeit immer wirkungsvoller. Anlässlich meines letzten Besuchs habe ich erfreut festgestellt, dass die wechselseitige Befruchtung der in der Schule vorhandenen Schulzweige inzwischen auf gutem Wege ist. Vor allem von der deutschsprachigen Abteilung wird in diesem Zusammenhang erwartet, pädagogische Impulsgeberin zu sein und Maßstäbe für Qualität zu setzen. Das ist Anspruch und Verpflichtung zugleich!

  Insgesamt 55 tschechische und acht deutsche Lehrkräfte arbeiten partnerschaftlich zusammen, um die Zukunft der jungen Generation zu fördern — durch die Verwirklichung von Zweisprachigkeit und Europafähigkeit.
Eine besondere Attraktivität der deutschsprachigen Abteilung besteht in. ihren Austausch- und Auslandsaktivitäten. Vor allem von den Betriebspraktika in Deutschland, die die Abteilung den zukünftigen Abiturienten regelmäßig anbietet, wird in den Lebensläufen begeistert berichtet. 11 von 19 Abiturientinnen und Abiturienten des letzten Jahrgangs studieren beispielweise an deutschen Universitäten. Sie haben die Chance, die Qualifikationen zu erwerben, die von zukünftigen Entscheidungsträgem im öffentlichen Leben diesseits und jenseits nationaler Grenzen erwartet werden.
Auf Menschen wie ihnen ruhen im Besonderen die Hoffnungen, wenn es darum geht, Europa in individueller, gesellschaftlicher und politischer Hinsicht immer wieder neu zu definieren, aber auch wenn es darum geht, Beiträge zur Sicherung und Stärkung seiner kulturellen Vielfalt zu leisten.
Als Beauftragte der Konferenz der Kultusminister der Länder der Bundesrepublik Deutschland gratuliere ich der deutschsprachigen Abteilung zu ihrem zehnjährigen Bestehen. Ich wünsche der Leitung und allen Lehrkräften des Gymnasiums F.X.
Šaldy weiterhin eine glückliche Hand, erfolgreiche Zusammenarbeit und eine dem Leistungspotenzial der Schule angemessene breite Resonanz bei Schülern und Eltern in Liberec und Umgebung. Die Attraktivität der Schule zu steigern und ihr Ansehen in der Region zu festigen, ist Programm für die nächsten zehn Jahre.  

Zu den Grußworten

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