IZOP und FAZ

In Vilsbiburg und Liberec wird projektorientiert gearbeitet

Die 10. Klasse der Deutschen Abteilung des Gymnasiums F.X. Salda in Liberec unterhält seit 8 Jahren Kontakte zu dem Maximilian-von-Montgelas-Gymnasium in Vilsbiburg. Jedes Jahr wird ein Schüleraustausch organisiert, der sowohl an der deutschen als auch an der tschechischen Schule zu einem festen Bestandteil des Schullebens gehört. Die tschechischen Schülerinnen und Schüler lernen im dritten Jahr Deutsch. In der 10. Klasse haben sie 6 Stunden Deutsch. Weitere Fächer wie Mathematik, Biologie, Erdkunde, Physik und Geschichte werden ebenfalls in der deutschen Sprache unterrichtet.

Im Jahre 2001 haben wir uns zusammen mit unserer Partnerschule dem Projekt
„Jugend und Umwelt" angeschlossen. Das Projekt wurde von der Frankfurter Allgemeiner Zeitung (F.A.Z) und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) initiiert, unter pädagogischer, organisatorischer und methodischer Aufsicht des Aachener Institutes zur Objektivierung von Lern- und Prüfungsverfahren (IZOP) durchgeführt. Am Anfang wurden die polnische Tageszeitung Rzeczpospolita und die tschechische Tageszeitung Mladá Fronta mit einbezogen. Das Projekt wurde auf drei Jahre angelegt. Das medien- und umweltpädagogische Großprojekt verfolgte im Wesentlichen drei Ziele, die man im Zusammenhang mit der ökologischen Frage vor dem Hintergrund der geplanten Osterweiterung der EU einerseits und der abnehmenden ( Zeitungs-) Leselust junger Leute andererseits betrachten muss. Am Projekt haben über 70 Schulen aus Deutschland, Tschechien und Polen teilgenommen.

Die Klasse 3N bekam jeden Tag 20 Exemplare der F.A.Z und 5 Exemplare der Mladá Fonta geliefert. Da die Zusammenarbeit mit den polnischen und tschechischen Zeitungen nicht so gut lief, bekamen wir im letzten Jahr 5 Exemplare der deutschsprachigen Prager Zeitung. Die Klasse wählte am Anfang des Schuljahres aus dem Angebotskatalog ein Thema aus der Umgebung der Partnerschule. Nach einem Informationsabend für die Eltern, wo man sie mit den Zielen und der Durchführung des Projektes bekannt machte, konnte man mit der Arbeit beginnen. Wir haben festgestellt, dass die Schülerschaft der Klasse 3N unterschiedliche Erfahrungen mit der Tageszeitung hatte. Insgesamt kann man aber sagen, dass der Informationsfluss hauptsächlich aus dem Fernsehen stammt. Insgesamt hatten die Schüler und Schülerinnen keine Erfahrung mit dem Lesen deutscher Zeitungen.

Wir haben einmal in der Woche eine Deutschstunde dem Zeitungslesen gewidmet. Abgesehen von der Kompliziertheit der Inhalte und der anspruchsvollen Ausdrucksweise der F.A.Z. gab es für die Schüler in der Zeitung selten Themen, die der Lebenswelt der Jugendlichen entsprachen. Schon an dieser Stelle haben wir festgestellt, dass das Projekt in der 10. Klasse zu früh angesiedelt war. Aus organisatorischen Gründen und durch die Verbindung zur Partnerschule in Vilsbiburg konnte man jedoch keine höhere Klasse einbeziehen.

Die Hauptaufgabe der Vorbereitung in dieser Jahrgangsstufe war also zunächst ein regelmäßiges sinnerfassendes Zeitungslesen. Die Schüler wurden mit den verschiedenen Textsorten( Reportage, Bericht, Interview, Glosse, Kommentar, Kritik) bekannt gemacht. Dabei haben uns die m.E. hervorragenden Unterrichtsmaterialien des IZOP Institutes geholfen. Mit der Zeit gewannen die Schüler eine gewisse Praxis . Einige nahmen zuletzt regelmäßig die FAZ mit nach Hause.

Das Projekt wurde an unserer Schule allen Kollegen und Kolleginnen vorgestellt. Die Nutzung der Zeitung stand allen frei. In dieser Hinsicht ist das Medium Zeitung ein fester Bestandteil des deutschen Curriculums in unserer Abteilung geworden. Die Unterrichtsmaterialien werden auch nach dem Projekt oft und gerne genutzt.

Ein ziemlich großes organisatorische Problem war zunächst auch die Entsorgung der Zeitung. Da wir ökologisch dachten, war es schwer zu erklären, dass jede Ausgabe zuerst einer Plastikfolie entledigt werden musste. Außerdem macht sich in Tschechien der Schwund der Altpapiersammelstellen bemerkbar. Die Altpapiercontainer sind rar und überfüllt, so dass es oft schwer war, die Zeitungen umweltfreundlich zu entsorgen.

Übersicht über die Projekte

2000/2001

Liberec:

Der Botanische Garten in Liberec

Vilsbiburg:

Das Atomkraftwerk Ohu

2001/2002

Liberec:

Fremdenverkehr und Umweltschutz im Nationalpark Riesengebirge- das Beispiel Harrachov

Vilsbiburg:

Wiederbewaldung nach Sturm –Untersuchung im Universitätswald der TU München

2002/2003

Liberec: „Neue Bäume braucht das Land" – Wiederaufforstungsprogramme im Isergebirge

Vilsbiburg:

Umwelttechnologie mit Biosensoren -TU Freising-Weihenstephan.

Das Projekt haben am Gymnasium F.X. Šalda im ersten Jahr Frau Steller, im zweiten und dritten Jahr Frau Achterkamp und Frau Hansen betreut. Die Betreuung der Langzeitarbeiten wurden im zweiten Jahr von Herrn Beil, im dritten von Frau Zimmermann und Herrn Mielke übernommen.

Die Schüler und Schülerinnen sollten an einem Recherchetag während des Austausches Informationen zum gegebenen Thema sammeln und verschiedene Artikel für die Seite „Jugend und Umwelt" schreiben. Sie wurden von Ortsfachkräften und Mitarbeitern der F.A.Z begleitet. Am Ende des Recherchetages fand eine Redaktionssitzung statt, bei der die Mitarbeiterinnen der F.A.Z( Frau Volkmann und Frau Krause) die Struktur der Seite und die Textsorten vorschlugen. Darüber hinaus erschien auf jeder Seite die Rubrik „Begegnungen", wo Schüler über den Austausch reflektieren sollten.

Außer der Gestaltung der Umweltseite hatten die Schüler und Schülerinnen die Aufgabe, eine Langzeitarbeit anzufertigen. Die Form der Arbeit sollte zeigen, dass sich die Schüler und Schülerinnen über einen längeren Zeitraum mit der F.A.Z und gezielt mit einem Thema beschäftigt hatten.

Zusammenfassend muss man sagen, dass das erste Jahr des Projektes eine Katastrophe war. Die Schüler, Schülerinnen und die Lehrkraft waren in jeder Hinsicht überfordert. Die Wirkung schlug um, so dass die Schüler eine direkte Abneigung gegen das Projekt entwickelten.

Wir haben aus den Fehlern des ersten Jahres gelernt und folgende Maßnahmen zur Verbesserung des Verlaufes getroffen:

die Langzeitarbeiten wurden in den Jahrgang 12 verlegt

das Projekt wurde fächerübergreifend -Deutsch und Biologie – vorbereitet

es fand eine intensive fachliche und sprachliche Vorbereitung statt ( Feldübungen im Liberecer Zoo, Anlegen einer zweisprachigen Fachvokabelliste, Besprechen des Themas im Fach Biologie

die Zusammenarbeit mit der lokalen Redaktion der überregionalen tschechischen Zeitung Mladá Fronta wurde intensiviert

die Abholung der Zeitung wurde besser organisiert

die Entsorgung ökologisch betrieben

die Arbeit mit dem Medium „Zeitung" wurde in das deutsche Curriculum für diese Jahrgangsstufe aufgenommen und methodisch aufgearbeitet.

Die Schülerinnen und Schüler haben sich mit der Zeitung langsam vertraut gemacht. Obwohl es regelmäßige Lesestunden gab und die Zeitung jedem zur Verfügung stand, griffen die Schülerinnen und Schüler des Projektjahrgangs viel lieber zu der tschechischen Zeitung. Erstaunlich war, dass die Präsenz der F.A.Z überall in der Schule- einige Exemplare wurden in der Mensa, der Schulbibliothek und in den Klassenräumen ausgelegt –andere Schülerinnen und Schüler, sogar aus den niedrigeren Jahrgängen anspornte, selbstständig ihre Lieblingsthemen in der F.A.Z zu suchen.

Die 10-Klässler hielten jede Woche kleine Referate zu den von ihnen gewählten Themen. Mit Hilfe der sehr gut erarbeiteten Unterrichtsmaterialien des IZOP lernten die Schülerinnen und Schüler die Grundzüge der journalistischen Arbeit und die wichtigsten Textsorten kennen. Anhand der Zeitungsartikel wurde die textbezogene Erörterung in einer schriftlichen Arbeit überprüft.

Im Oktober kamen schon die Austauschschüler aus Vilsbiburg. Neben dem üblichen Austauschprogramm, zu dem jedes Jahr der Besuch der tschechischen Hauptstadt Prag und die Hospitation an der Schule gehört, absolvierten die Austauschschüler aus Deutschland in Begleitung von sechs tschechischen Schülerinnen den Recherchetag in Harrachov. Die Vilsbiburger beschäftigten sich mit dem Thema „Sanfter Tourismus". Es war gut, dass die tschechischen Schülerinnen in Begleitung von den Fachlehrerinnen Frau Hansen und Frau Achterkamp dabei sein konnten. Sie gewannen den ersten Eindruck über die Art und die Durchführung des Projektes und konnten ihren Mitschülern darüber berichten. Die einstündige Redaktionssitzung mit Frau Krause hat die tschechischen Schülerinnen beruhigt und zuversichtlich gemacht.

Im April fuhr die Klasse nach Vilsbiburg. Die ausgesprochen gute langjährige Zusammenarbeit mit der deutschen Schule ermöglichte es uns, an der Planung des Austausches mitzuwirken. Auf unsere Bitte wurde zusätzlich ein Tag für die Bearbeitung der Berichte mit Hilfe der deutschen Partner eingeplant.

Im dritten Jahr wussten wir schon ziemlich genau, was uns erwartete. Die Verständigung beider Gruppen verlief ausgezeichnet. Auch die Motivation der tschechischen Schülerinnen und Schüler und deren Sprachniveau waren erheblich größer als im Jahr davor.

Der Recherchetag im Isergebirge wurde zwar von einigen Pannen und vom schlechten Wetter begleitet, die deutschen Schüler schrieben jedoch fleißig mit und nahmen die wesentlichen Informationen mit nach Vilsbiburg.

Obwohl wir auch in diesem Jahr erhebliche Probleme hatten, ein gutes Thema im Raum Vilsbiburg zu finden, klappte der Recherchetag im Großen und Ganzen gut. Die Betreuung von Frau Kraus aus der F.A.Z war hervorragend. Unserer Bitte nach mehr Abwechslung bei der Recherche konnte man leider nicht nachkommen, da es organisatorisch kaum möglich war, das Unigelände zu verlassen, nachdem die Firma Hipp ihre Mitarbeit abgesagt hatte. Die Mitarbeiter der TU Weihenstephan, vor allem Prof. Dr. Delgado gaben sich redlich Mühe, die komplizierten Inhalte angemessen wiederzugeben. Die tschechischen Schülerinnen und Schüler waren schon in Liberec ihren jeweiligen Themen zugeordnet worden. In der Schule beschäftigten sie sich mit den Themen „Biosensoren" und „Hochdrucksterilisation", den Studiengängen in Weihenstephan und dem Aufbau eines Interviews. Bei der Redaktionsbesprechung war es trotzdem sehr wichtig, Struktur in die Schülernotizen zu bringen und sie ausführlich zu beraten. Bei der Bearbeitung in der Schule, die ca. zwei Monate in Anspruch nahm, taten sich die Schülerinnen und Schüler immer noch sehr schwer, fehlende Informationen zu recherchieren und ihre Berichte kompetent und journalistisch zu gestalten. Insgesamt muss man jedoch feststellen, dass das dritte Jahr des Projektes zufriedenstellend war. Es ist uns gelungen, aus den Fehlern zu lernen, die Schüler nicht zu überfordern, die Textkorrekturen der Lehrkräfte zu reduzieren und vor allem den Schülern die Freude an der Sache nicht zu nehmen. Die Fortschritte, die wir während des Projektes machten, wurden auch honoriert. Drei Langzeitarbeiten der Schülerinnen Aneta Pavlatová, die Berichte über Tschechien in der FAZ verfolgte , von Jana Semenová, die sich der schwierigen Thematik der Forschung an menschlichen Embryonen widmete und die Arbeit von Zuzana Žižková wurden im Brief des IZOP Instituts vom 3.9.2002 sowohl in der Form als auch inhaltlich als brillant bezeichnet. Die Arbeit von Aneta Pavlatová wurde im Jahrbuch des Projektes veröffentlicht.

Die Berichte der Klasse 3N aus dem Jahr 2003 wurden von der Fazit Stiftung mit einem Preis ausgezeichnet.

Sylvie Hansen

 

Projektjahr 2001-2002

 

Im Rahmen des auf drei Jahre angelegten Projekts „Jugend und Umwelt – grenzüberschreitende Kooperation", das wir mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (F.A.Z.) und dem Institut zur Objektivierung von Lern- und Prüfungsverfahren (IZOP) Aachen durchführten, schrieben die Schüler individuelle Facharbeiten zu selbst gewählten Themen. Einige Arbeiten der Klasse 5N (2001/2002) wurden von dem Jurorengremium von F.A.Z. / IZOP als besonders gut hervorgehoben. Die hier vorgestellte Facharbeit " Tschechien im Spiegel der FAZ" 2002 von Aneta Pavlatová erschien daraufhin im vollständigen Text im Jahrbuch des Projektjahres 2002.

 

Fachlehrer Deutsch Klasse 5N, 2001-02: Stefan Beil

 

 
Tel. + fax: +420 / 482 710 660            deutsch@gfxs.cz