Geschichte

in den Klassen 3 bis 6 der bilingualen Sektion von Liberec



Übersicht über Lerninhalte / Themenkreise des tschechischen Geschichtsunterricht

10. Jahrgangsstufe (tschechisch Klasse 3)

Der deutschsprachige Geschichtsunterricht soll das erworbene historische Wissen aus dem Geschichtsunterricht der Grundschulen aspektbezogen wiederholen, vertiefen, erweitern und vor allem durch eine historisch-kritische Denkweise ergänzend differenzieren. Der Unterricht leistet zusätzlich einen wesentlichen Beitrag für die weitere Entwicklung der allgemeinen Sprachkompetenz und rüstet die Schüler/innen mit einem Grundbestand an fachwissenschaftlicher Terminologie aus.
Folgende Grundsätze und Prinzipien des Geschichtsunterrichts sind im Hinblick auf die Unterschiedlichkeit in den Lerntraditionen gerade in der Eingangsklasse des deutschsprachigen Fachunterrichts von ganz besonderer Bedeutung:

· Schülerorientierung (Aktualitätsbezüge, offene Arbeitspläne, alternative Lernangebote, Identifikationsangebote)
· Problemorientierung damit die Schüler/innen zu selbständigen Denkleistungen geführt werden und ihre schöpferischen Fähigkeiten entwickeln
· Handlungsorientierung (Förderung der Selbständigkeit und praktisch-aktive Lernsituationen schaffen; außerschulische Lernorte aufsuchen)

Zur Umsetzung der beschriebenen, ausgewählten didaktischen Grundsätze und Prinzipien sind vielfältige Lernformen anzuwenden (neben Unterrichtsgespräch, Einzelarbeit, Partnerarbeit, Gruppenarbeit, Lehrervortrag insbesondere die Erkundung mit Hilfe der neuen Medien, Exkursion, projektorientierter Unterricht)

In dieser Jahrgangsstufe werden wöchentlich zwei Unterrichtsstunden erteilt. Mit Abschluss dieses Schuljahrgangs müssen die Schüler/innen das Stoffpensum erfüllt haben, das den Lehrplanvorgaben am Ende des Lehrgangs der neunten Grundschulklasse entspricht. Deshalb sind die Lerninhalte in diesem Schuljahrgang besonders dicht gedrängt:

Die ersten Hochkulturen der Menschheitsgeschichte, Die Bildung demokratischer Regierungsformen in Athen, Die Auswirkungen von staatlichen und gesellschaftlichen Krisen auf das politische System des Römischen Reiches, Der zentrale Konflikt um die Vorherrschaft zwischen den beiden "universalen" Gewalten des Mittelalters, Mittelalterliche Lebensformen auf dem Lande und in der Stadt, Zeichen eines beginnenden, neuen eindrucksvollen Abschnittes der Weltgeschichte.

11. Jahrgangsstufe (tschechisch Klasse 4)

Der nationalgeschichtliche Ansatz des tschechischen Geschichtsunterrichts soll zugunsten einer europäischen, multi-perspektivischen und multikausalen Betrachtungsweise aufgebrochen und ergänzt werden. Der geschichtliche Zeitraum zwischen dem beginnenden 16. und 19. Jahrhundert stellt einen der wichtigsten Epochen des modernen Europas dar. Will man die Bedeutung dieses Geschichtsabschnittes für die europäische Kultur verstehen, muss man vor allem ihre verschiedenen Bedingungsfaktoren kennen. Somit trägt unter anderem der Geschichtsunterricht ganz erheblich zur Identitätsfindung bei, indem die Schüler/innen die Fähigkeit anhand historisch gewachsener Kontroversen bzw. Atavismen zum argumentativen Dialog erwerben.
Demgemäß leistet der Geschichtsunterricht in dieser Jahrgangsstufe einen weithin größeren Beitrag zu kritischem Denken und zur Vermeidung nationalhistorischer Vereinfachungen. Deshalb sind problemorientierte Aufgabenstellungen (des AFB 3) für die Klassenarbeit im zweiten Schulhalbjahr verbindlich, um die Schüler/innen an das Anforderungsniveau der Oberstufe vorbereitend heranzuführen.

In dieser Jahrgangsstufe werden wöchentlich zwei Unterrichtsstunden erteilt:

Die wirtschaftlichen und politischen Umwälzungen in England, Europäische Konfliktherde, Herrschaftsformen und Staaten, Der klassische Absolutismus in Frankreich, Russland unter Zar Peter I, Der landesfürstliche Absolutismus im Deutschen Reich, Das Zeitalter der Französischen Revolution, Die geistige Vorbereitung der Revolution, Die Große Französische Revolution, Soziale und wirtschaftliche Voraussetzungen, Der Verlauf und die Ergebnisse der Revolution, Die bürgerliche Umwälzung in Deutschland im beginnenden, 19. Jahrhundert.

12. Jahrgangsstufe (tschechisch Klasse 5)

Der Geschichtsunterricht der Oberstufe schließt an die Bildungsziele der vorangegangenen Schuljahrgänge an, befasst sich also ganz allgemein mit menschlichen Lebensformen und deren Wandel in Raum und Zeit. Die Geschichte des 19. Und 20. Jahrhunderts ist jedoch in ihrer Bedeutung für die Probleme von heute - das gilt ganz besonders auch für das deutsch-tschechische Verhältnis - nicht zu unterschätzen. Deshalb ist dieser Zeitraum auch Unterrichtsgegenstand der Oberstufe. Die voneinander abweichenden Bewertungen des Geschehenen sollen im tschechischen und deutschen Geschichtsunterricht nicht harmonisiert, sondern benannt und Gegenstand der Diskussion bleiben.
In inhaltlicher wie methodischer Hinsicht soll demgemäß der Komplexität historischer und gesellschaftspolitischer Sachverhalte verstärkt entsprochen werden. Durch multi-perspektivischen Zugang und fächerübergreifende Zusammenarbeit (insbesondere mit Geographie und Bürgerkunde) wird das Denken in Zusammenhängen gefördert; denn Interdisziplinarität und vernetztes Denken sind heute unbestrittene Ansätze, um vielfältige Themenkreise auszuleuchten und Problemlösungen zu erarbeiten. Der ständige Gedankenaustausch zwischen den Lehrkräften einer Lerngruppe bildet dazu eine gute Voraussetzung.
Der Geschichtsunterricht der Oberstufe orientiert sich an den "Einheitlichen Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung" (EPA) von 1989.
In der Oberstufe sollen grundlegende Fähigkeiten und Fertigkeiten wie das Erschließen von Informationen aus Texten, Statistiken, Graphiken usw., der Umgang mit Fachterminologie und die Anwendung geschichtswissenschaftlicher Kategorien zur Systematisierung von historischem Wissen und zur Beurteilung gegenwärtiger und aktueller Ereignisse fachbezogen geübt und vertieft werden. Die Erziehung zu selbständigem Arbeiten erfordert unter anderem den verstärkten Einsatz von Schülerreferaten gerade auch im Hinblick auf die mündliche Abiturprüfung und von Formen partnerschaftlichen Arbeitens (Projekt, projektartige Unterrichtsformen, Werkstattunterricht). Erkundungen, Fachexkursionen und Studienfahrten (z.B. in Zusammenarbeit mit politischen Stiftungen) können einen unmittelbaren Zugang zur gesellschaftlichen und zeitgeschichtlichen Realität eröffnen. Das Abfassen einer Facharbeit soll einen wichtigen Beitrag leisten, die Schüler/innen auf das wissenschaftliche Arbeiten an der Universität vorbereiten und damit zugleich ihre Studierfähigkeit fördern.
Es empfiehlt sich, die drei Unterrichtsstunden pro Woche in einer Doppel- und Einzelstunde zu erteilen.

In dieser Jahrgangsstufe werden wöchentlich zwei Unterrichtsstunden erteilt:

Vom Deutschen Bund zum Zweiten Deutschen Reich, Die deutsche Frage im 19. Jahrhundert, Das politische System des Deutschen Kaiserreiches und die Wirtschaftlich-gesellschaftliche Entwicklung nach 1871 bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts, Grundzüge der internationalen Entwicklung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Imperialismus und der Erste Weltkrieg, USA und UdSSR - Grundzüge der Entwicklung in der Zwischenkriegszeit, Vom Ende des preußisch-deutschen Kaiserreiches bis zum Ende der Weimarer Republik, Deutschland in der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur und des Zweiten Weltkrieges.

13. Jahrgangsstufe (tschechisch Klasse 6)

Der Geschichtsunterricht in der letzten Jahrgangsstufe soll deutlich dadurch gekennzeichnet sein, dass das bisher dominierende, chronologisch-exemplarische Lernen stärker zugunsten einer thematisch-strukturellen, inhaltlich-thematischen bzw. sachlich-systematischen Lehr- und Methodenform ergänzt wird, um so die aktuelle Relevanz des Unterrichtsfaches mehr bewusst zu machen.
Für die besondere Stoffzuteilung der internationalen Nachkriegsgeschichte ist es folglich immer wichtig, zeitgeschichtliche und politische Fragestellungen enger miteinander zu verknüpfen und somit auch die zunehmende Interdependenz der Beziehungen zwischen den Staaten bewusst zu machen.. Beim Lernen von Fakten und dem Begreifen von Zusammenhängen kommt es vornehmlich darauf an, die Fähigkeit zu selbständiger, fundierter Auseinandersetzung mit sich ständig wandelnden politischen Situationen zu entwickeln und eigene wertrational begründete Positionen zu finden.
Die Schüler/innen werden mit Grundsätzen des politischen Denkens bekannt gemacht, und es werden ihnen Ordnungskategorien zur Beurteilung politischer Systeme vermittelt. Im letzten Kurshalbjahr bietet sich die Möglichkeit, die Schüler/innen an Methoden der empirischen Sozialforschung, wie etwa Techniken der Befragung, heranzuführen und sie einzelne Verfahren selbst anwenden zu lassen. Bei der Beschäftigung mit Zeitdiagnosen und mit Zukunftsperspektiven kommt der Diskussion divergenter Ansätze sowie unterschiedlicher Konzepte und Wege der Problemlösung besondere Bedeutung zu; dabei bieten sich den Schüler/innen auch Gelegenheiten, eigene Vorstellungen zu entwickeln und zu überprüfen.

Der Wandel der Beziehungen der Siegermächte des Zweiten Weltkrieges: Von der Kooperation zur Konfrontation ( 1945 -1961), Das Deutschlandproblem im Rahmen weltpolitischer Konstellationen der Nachkriegszeit, Entwicklungen im besetzten Deutschland bis zur staatlichen Teilung, Die deutsche Teilung im Zeichen der Blockbildung, Die Vereinigung Deutschlands und seine Nachbarn, Die Zukunft der Geschichte im Zeitalter der Globalisierung.

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