Spezialgymnasium F. X. Šaldy Liberec

-Deutschsprachige Abteilung-

Partyzánská 530/3

CZ 460 11 LIBEREC 11

Czech Republic

Lehrplan Erdkunde

 

Inhaltsverzeichnis

Vorbemerkungen

Stundentafel Erdkunde

10. / III. Jahrgang

11. / IV. Jahrgang

12. / V. Jahrgang

13. / VI. Jahrgang

Anhang zum Lehrplan des deutschsprachigen Erdkunde-Unterrichts

 

Vorbemerkungen

Diesem Lehrplan liegen die Zielsetzungen und Inhalte vor allem der bayerischen Richtlinien zugrunde* und berücksichtigen die notwendigen Aktualisierungen, sowie neuere didaktische und methodische Erkenntnisse.

Er ist zudem inhaltlich abgestimmt auf den genehmigten Lehrplan Erdkunde der deutschsprachigen Abteilung des Gymnazium UDT Poprad / Slowakei. Diese enge Verknüpfung ergibt sich hier sowohl aufgrund einer Kooperation der beiden deutschsprachigen Abteilungen, als auch aufgrund der historischen Verflechtung beider Länder. Anpassungen wurden deshalb im Wesentlichen nur bei den regionalspezifischen Themen vorgenommen und dort, wo es die (schul-)politischen und örtlichen Rahmenbedingungen erforderlich machten. So soll das Fach Erdkunde in Liberec bereits im 10. Jahrgang 1-stündig beginnen. Zudem konnte die wirtschaftliche Schwerpunktsetzung bei einigen Themen abgeschwächt werden.

Das Fach Erdkunde wird im Schuljahr 2002/2003 als deutschsprachig unterrichtetes Unterrichtsfach am Gymnázium F. X. Šaldy Liberec eingeführt. Der Unterricht soll im III. (10.) Jahrgang einstündig, im IV. (11.) Jahrgang zweistündig und in den V. (12.) und VI. (13.) Jahrgängen je dreistündig auf Deutsch erteilt werden.

Er baut auf dem tschechischen Erdkunde – Unterricht auf, der in den Jahrgängen I (8) bis III (10) jeweils zweistündig stattfindet und ist auch abgestimmt auf die verwandten Fächer im tschechischsprachigen Unterricht (s. Anhang).

Im I. Jahrgang (8) des tschechischen Erdkunde-Unterrichts steht das Heimatland im Mittelpunkt, und es werden regionalgeografische Themen behandelt (einschließlich eines Projektes).

In den Jahrgängen II (9) und III (10) werden die Kontinente Afrika, Amerika, Asien und Europa zumeist aus länderkundlicher Sicht untersucht, so dass der deutschsprachige Unterricht hier auf ein notwendiges fundiertes topografisches Grundwissen aufbauen kann. Zudem werden auch wirtschafts- und sozialgeografische Grundlagen gelegt.

Im III. (10.) Jahrgang soll der deutschsprachige Erdkunde-Unterricht parallel zum tschechischen Unterricht mit einer Stunde pro Woche einsetzen, um die zusätzlichen Grundlagen des deutschen Mittelstufenunterrichts aufzuarbeiten und um den Übergang zum (deutschen)
Oberstufenunterricht zu erleichtern. Einen weiteren Schwerpunkt bildet hier die Einübung der deutschen Fachterminologie.

Der deutschsprachige Erdkunde-Kurs ab Jahrgang IV (11) hat die Qualität eines Grundkurses der gymnasialen Oberstufe.

Der Geografieunterricht in der gymnasialen Oberstufe soll den Schülerinnen und Schülern ein kritisches Verständnis für sozialräumliche und geoökologische Probleme vermitteln, ihre Mitverantwortung fördern, sie an der Planung ihrer Umwelt aktiv beteiligen und ihnen Konsequenzen ihres Handelns bewusst machen. „ Aus seiner Stellung zwischen Natur- und Gesellschaftswissenschaften ergeben sich für das Fach Erdkunde geeignete Anknüpfungspunkte zu einem fächerübergreifenden Arbeiten. Eine besondere Bedeutung kommt dabei dem fächerübergreifenden Anliegen „Umwelterziehung" zu. Vor dem Hintergrund der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Prozesse und Veränderungen in Deutschland, in Europa und in anderen Teilräumen der Erde gewinnen auch die Anliegen „Politische Bildung",Europa", [„Entwicklungsländer bzw. Eine Welt"], „Ressourcenknappheit", sowie „Friedenserziehung" [und „Globalisierung"] für den Erdkundeunterricht ein zunehmendes Gewicht." *

Das bedeutet, dass regionale und weltweite Betrachtungen, eigene Umwelt und fremde Erdräume gleichermaßen Beachtung finden. Für die tschechischen Schülerinnen und Schüler der deutschsprachigen Abteilung ist es dabei von besonderem Interesse, sich vor dem Hintergrund ihres eigenen Landes mit Deutschland und der Europäischen Union als wichtigste Bezugsräume auseinander zu setzen.

Die Beherrschung grundlegender Arbeitstechniken, wie das Arbeiten mit Karten, Diagrammen, Bildern und Texten und der Einsatz des Computers sind weitere wichtige Ziele des Erdkundeunterrichts. Auch Unterrichtsgänge und Exkursionen tragen dazu bei und sind ein weiterer zentraler Bestandteil geografischer Bildung. Diese Arbeitstechniken werden in der Oberstufe systematisch vertieft und in ihrem Anspruchniveau gesteigert, so dass durch ihr sicheres Beherrschen und Anwenden Methodenreflexion und selbständiges Arbeiten an Bedeutung gewinnen. Der Erwerb von Methodenkompetenz ist dabei in Verbindung zur Einübung vielfältiger Sozialformen des Lernens zu sehen.

Hierzu gehört auch das Arbeiten in Gruppen oder Teams, wie es das Wirtschaftsleben einer modernen, dynamischen Industriegesellschaft zunehmend bestimmt.

Hingewiesen sei in diesem Zusammenhang auch auf die Förderung der allgemeinen Sprachkompetenz, zu der das Fach Erdkunde einen wichtigen Beitrag leisten kann, indem es z. T. komplexe Sachverhalte sprachlich verdeutlicht sowie strukturiert und transparent darstellt. Damit bildet das Fach Erdkunde einen wichtigen Baustein in der Architektur der gesamten deutschsprachigen Abteilung des Gymnáziums F. X. Saldy.

Die Lernerfolgsüberprüfung erfolgt u. a. durch je zwei Klausuren pro Halbjahr und orientiert sich an den drei in den EPA´s angegebenen Anforderungsbereichen: Wiedergabe des Gelernten, Übertragung auf einen neuen Sachverhalt (Transfer) und schließlich die Bewertung, Darlegung von Alternativen und Methodenkritik **.

Stundentafel Erdkunde:

Jahrgangsstufe

Wochenstunden tschechisch

Wochenstunden deutsch

8

2

0

9

2

0

10

2

1

11

0

2

12

0

3

13

0

3

 

Liberec, im Dezember 2001

(Günter Otto)

______________________

* Amtsblatt des Bayer. Staatsministeriums f. Unterricht, Kultur, Wissenschaft und Kunst. Sondernummer 10, 5. 12. 1991

** s. Beschlüsse der Kultusministerkonferenz. Einheitliche Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung (EPA). Geographie.
Beschluss vom 1. 12. 1989


10. / III. Jahrgang

Leben und Wirtschaften in verschiedenen Geozonen / Relief der Erde (33Std.)

Der Erdkundeunterricht im 10. Jahrgang findet in der deutschen Sprache 1-stündig parallel zum tschechischen Unterricht statt (2-stündig). Inhaltlich handelt es sich zumeist um Themen, die den Schülerinnen und Schülern aus dem vorangegangenen tschechischen Unterricht vertraut sind. Es werden grundlegende globale räumliche Orientierungsraster behandelt und die daraus resultierende geografische Zonen zu den dort lebenden und wirtschaftenden Menschen in Beziehung gesetzt. Die Schülerinnen und Schüler werden hier an das Denken in Ökosystemen herangeführt. Sie sollen in ersten Ansätzen wirtschaftliche, soziale und naturräumliche Disparitäten kennen lernen und nicht nur eine kritische Haltung zu menschlichen Eingriffen in den Naturhaushalt, sondern auch ein Grundverständnis für die Ursachen solcher Eingriffe entwickeln. Neben dieser systematischen inhaltlichen Betrachtung liegt der Schwerpunkt des Unterrichts auf der Einübung sprachlicher Begriffe und dem Erwerb grundlegender geografischer Arbeitstechniken.

Std.

Aspekte des Themas

Hinweise zu Inhalten, Fachmethoden und

allgemeinen Kompetenzen

8

1. Die Erde im Sonnensystem

  

  

Erarbeitung grundlegender Kenntnisse : Entstehung der Tages- und Jahreszeiten, Wende- und Polarkreise, Einteilung der Erde in Zonen

16

2. Leben und Wirtschaften in unterschiedlichen Geozonen

  

· Leben und wirtschaften in der Kalten Zone

Betrachtung der Landschaftszonen, Ewiges Eis, Tundra, Taiga und Erarbeitung einfacher Zusammenhänge zwischen Klima und Landschaft;

Erstellen und Auswerten von Klimadiagrammen

  

· Die gemäßigte Zone

Erarbeitung und Gegenüberstellung der klimatische Besonderheiten der gemäßigten Zone

  

· Leben und Wirtschaften in den Subtropen

Untersuchung der landwirtschaftlichen Raumnutzung und der ökologischen Problematik: Regenfeldbau und Bewässerungsfeldbau, Gefahr der Bodenversalzung;

Darstellung und Bedeutung des Tourismus am Mittelmeer

  

· Leben und Wirtschaften in den Tropen

Erarbeitung der Gliederung der Tropen (Wüste, Savannen, Regenwald);

Untersuchung der Holzwirtschaft im Tropischen Regenwald: ökonomische Nutzung und ökologische Probleme;

Vergleich zu der Landwirtschaft in der Savanne zwischen Selbstversorgung und Marktorientierung (z. B. Plantagenwirtschaft)

 

9

3. Relief der Erde

  

· Schwächezonen der Erde

Betrachtung der Vulkane und Erdbebengebiete der Erde und Erarbeitung der Grundzüge der Plattentektonik (endogene Kräfte); das Leben mit der Bedrohung und die Auswirkungen auf verstädterte Räume

  

· Landschaftswandel durch Eis und Wasser

Gegenüberstellung mit der zerstörenden und aufbauenden Arbeit des Wassers an Flusstälern, Gebirgen und Küsten (exogene Kräfte), Untersuchungen an Fallbeispielen

 

11. / IV. Jahrgang

11.1 Natürliche Grundlagen menschlichen Lebens auf der Erde /

Naturraum Deutschland (33 Std.)

 

Dem Erdkundeunterricht im 11. Jahrgang, der nur noch in deutscher Sprache 2-stündig im Anschluss an den parallelen tschechischen und deutschen Erdkundeunterricht des 10. Jahrgangs stattfindet, stellen sich die Aufgaben, Grundlagenwissen und eine Gliederung des Raumkontinuums zu erarbeiten, was für die Einordnung der später zu behandelnden Wirtschaftsräume und globale Fragestellungen unerlässlich ist, und außerdem den Schülerinnen und Schülern Raumverhaltenskompetenz für ihre Umwelt zu vermitteln. Die Welt als komplexes System miteinander verknüpfter Elemente legt es nahe, dass über klein- und großräumige Analysen hinaus auf globale ökologische Zusammenhänge geschlossen werden muss. Zwangsläufig hat demnach der Unterricht den Schülern ein derartiges Systemverständnis zu vermitteln, welches die räumliche Umwelt als Verflechtungsgefüge von Natur- und Humanfaktoren versteht. Das schließt ein, dass Verständnis für räumliche Funktionszusammenhänge geschaffen und die Notwendigkeit eines verantwortungsvollen Umgangs mit dem Raumangebot eingesehen wird. Aus der Kenntnis landschaftsökologischer Zusammenhänge wird umweltgerechtes Handeln möglich, das weniger von emotionalen und ideologischen Einflüssen bestimmt ist.

Der Förderung des Methodenbewusstseins und der Vermittlung fachterminologischer Kenntnisse kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Die erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten sollen am Beispiel Deutschland vertieft werden, wobei sich ausgewählte Räume anbieten, die den Schülern aus den zahlreichen Austauschprogrammen vertraut sind bzw. die noch besucht werden.. Als Schülerinnen und Schüler des bilingualen Systems erhalten sie einen vertieften Überblick über Deutschland, auch im Vergleich zu ihrer Heimatregion.

Std.

Aspekte des Themas

Hinweise zu Inhalten, Fachmethoden und

allgemeinen Kompetenzen

3

1. Einführung in die Geographie

 

  

 

Ziele und Methodiken; Karten und Kartenarten; Erarbeitung und Festigung topographischer Grundmuster anhand von Atlaskarten

10

2. Wasser, Boden, Luft im globalen Zusammenhang

  

· Die Erde als planetologischer Sonderfall

Herausarbeitung der Sonderstellung des Planeten Erde und Vergleich mit anderen Himmelskörpern

  

· Wesentliche Elemente des "Systems Erde"

Erarbeitung der Geofaktoren, ihr Zusammenwirken und deren Abhängigkeit

  

· Wasser und Luft im globalen Zusammenhang

Betonung fundamentaler Vorgänge mit geographischer Relevanz: z.B. Planetarische Zirkulation der Atmosphäre, Erläuterung der räumlichen Verteilung von Temperatur und Niederschlag, Klimazonen, Großwetterlagen in Mitteleuropa; Analyse von Modellen unter Einbeziehung verschiedener graphischer Darstellungen

  

· Böden

Erarbeitung von Bodenaufbau und Bodenbildungsprozessen

  

· Landschaftszonen als Ökosysteme

Erarbeiten einer globalen Übersicht, Zusammenfassen des geoökologischen Grundwissens; differenzierte Analyse des Zusammenwirkens natur- und humangeographischer Faktoren

    

· Landschaftszonen und ihre Gefährdung

Ansprechen von Einzelbeispielen, u.a. Bodenbelastung, Gewässerverschmutzung, Darstellung und Analysen von Eingriffen in den Wasserkreislauf, Luftverschmutzung

8

3. Entstehung von Oberflächenformen:

  

· Morphodynamik durch endogene und exogene Kräfte

Vertiefung der Thematik (vgl. Ek 10): Gebirgsbildung, Kreislauf der Gesteine und wesentliche klimamorphologische Prozesse im Tertiär, Pleistozän u. a.

  

· Abgrenzung und naturräumliche

Differenzierung eines naturgeografischen Großraums

Arbeit mit topographischen, physischen und ggf. geologischen Karten; Anwendung der bisher erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten; Eingehen auf Naturschutzgebiete

2

4. Topografie Deutschlands

    

Erarbeiten wichtiger topographischer Gegebenheiten in Deutschland

10

5. Naturräume Deutschlands

 
  

· Grobgliederung

Erarbeitung anhand Atlaskarten von Küstenräumen, Tiefland, Mittelgebirgen und Stufenländern, Alpenvorland, Alpen

  

· Raumbeispiel zur Morphogenese

Auswahl von einem ausgewählten Raumbeispiel (s. o.): Herausstellen wesentlicher morphodynamischer Prozesse, Herstellen humangeografischer Bezüge

  

· Klima und Böden

Erläuterung der räumlichen Verteilung von Temperatur, Niederschlag und geländeklimatischer Besonderheiten, von Bodenbildung und Bodenaufbau an einem Beispiel; Eingehen auf die Naturbedingungen der Landwirtschaft in Deutschland

  

· Ressourcen und ihre Nutzung

Ansprechen von Einzelbeispielen, Behandlung eines Raumbeispiels zum Lösungsansatz eines regionalen geoökologischen Problems

  

· Synopse: N – S – Kausalprofil durch Deutschland

Beschreibung und Bewertung des naturgeografischen Potenzials

 

1.2 Wirtschaftsraum Deutschland/Strukturanalyse des Heimatraumes (33 Std.)

Der Raum beeinflusst den wirtschaftenden Menschen, dessen Tätigkeit wirkt auf den Raum zurück und gestaltet ihn. Wirtschaftliche Entscheidungen sind folglich auch raumrelevante Entscheidungen und sollen aus der Kenntnis ihrer Auswirkungen auf den Raum im Erdkundeunterricht beurteilt werden. Die Schülerinnen und Schüler lernen die Raumwirksamkeit politischer Entscheidungen sowie Elemente des Strukturwandels in den Wirtschaftssektoren Deutschlands kennen und Probleme räumlicher Disparitäten einschätzen. Darüber hinaus erhalten sie einen Einblick in stadtgeografische Phänomene. Ihre bisher erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten werden in einer Raumanalyse zusammengeführt und auf den Heimatraum bezogen in Form einer Strukturanalyse angewendet. Damit wird den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit eröffnet, Strukturen in der Region zu erkennen und zu bewerten, auch im Vergleich mit anderen Regionen, z. B. den Zielorten der Schüleraustauschprogramme in Deutschland. So kann sich die Erkenntnis bilden, dass die eigene Person in einer Wechselbeziehung zur räumlichen Umwelt steht und zu sachgerechtem raumrelevanten Handeln verpflichtet ist. Daraus ergibt sich auch ein Verständnis für die Notwendigkeit und die Aufgaben von Raumplanung.

Std.

Aspekte des Themas

Hinweise zu Inhalten, Fachmethoden und

allgemeinen Kompetenzen

3

1. Politische Gliederung Deutschlands

     

Erarbeitung früherer und heutiger Grenzen Deutschlands und der bundesstaatlichen Gliederung anhand von Atlaskarten

15

2. Wirtschafts- und Sozialräume in Deutschland

  

· Humanfaktoren

Schematischer Überblick über wichtige Humanfaktoren mit entsprechenden Prozessen; Eingehen auf die Bedeutung politischer, wirtschaftlicher und sozialer Determinanten

  

· Raumwirksamkeit politischer Entscheidungen

Grundlegende Betrachtungen, insbesondere vor dem Hintergrund der Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands

  

· Strukturwandel und Entwicklungstendenzen in Landwirtschaft, Industrie, tertiärem Sektor

Bedeutungswandel der einzelnen Wirtschaftssektoren in Deutschland an Beispielen: Eingehen auf das Spannungsfeld von Ökonomie und Ökologie in der Landwirtschaft; Verdeutlichung der Komplexität räumlicher Strukturen in alt- und neuindustrialisierten Räumen; Bewusstmachen der zunehmenden Raumwirksamkeit des tertiären Sektors, "Tertiärisierung"

  

· Verteilung der Wirtschaftsräume, Disparitäten

Zusammenschau der räumlichen Verteilungsmuster von Agrar-, Industrie- und Erholungsräumen unter Verwendung geeigneter Karten; Diskussion möglicher Folgen räumlicher Disparitäten; Eingehen auf Notwendigkeit von Raumordnung und Nachvollzug von Raumordnungsprozessen

  

· Stadt und Verstädterung

Überblick über stadtgeografische Phänomene, Modelle und Prozesse wie Struktur einer Großstadt, Zentralität, Mobilität, Urbanisierung und Suburbanisierung; Eingehen auf die Situation in ausgewählten Räumen Deutschlands (s. o.)

15

3. Strukturanalyse des Heimatraumes: Liberec und Umgebung (Isergebirge, Riesengebirge)

  

· Abgrenzung und naturräumliche Differenzierung

Arbeit mit topografischen, physischen und geologischen Karten; Anwendung der bisher erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten; Untersuchung der Landschaftsgenese, des Regionalklimas, der Einzugsgebiete der Oberflächengewässer, der Nutzungseignung von Böden, der Vegetation, Abgrenzung von Naturräumen, Eingehen auf Naturschutzgebiete

  

· Sozioökonomische Differenzierung

Untersuchung des Gebietes nach Aspekten wie Bevölkerungsstruktur, siedlungsgeografische Gliederung, agrarräumliche Differenzierung, Industriestandorte, Verkehrsachsen, tertiärer Sektor, Fremdenverkehr; Einsatz und Erstellen thematischer Karten; Einbeziehen historisch-geografischer Gegebenheiten; Herausarbeiten von Vernetzungen einzelner Strukturelemente

  

· Prozesse räumlicher Entwicklung,

Raumordnung

Untersuchung eines räumlichen Prozesses, Diskussion von Interessenkonflikten; Bewusstmachen der Bedeutung planerischer Maßnahmen; Anwendung verschiedener Arbeitstechniken

  

· Felduntersuchungen

Schüleraktivitäten in der Region: Erkundungen, Exkursion; Durchführung von Beobachtungen, Untersuchungen und deren Auswertung

12. / V. Jahrgang

 

12.1 Wirtschafts- und Kulturraum Europa ( 50 Std.)

Gesellschaftliche, politisch-historische und wirtschaftliche Betrachtungsweisen kommen im Erdkundeunterricht zusammen. Da das Zusammenwachsen Europas sich wesentlich durch wirtschaftliche Kooperation und politisches Handeln vollzieht, soll den Schülerinnen und Schülern ein grundlegendes Wissen in diesen Bereichen vermittelt werden. Sie untersuchen demzufolge die Bedeutung einzelner Wirtschaftssektoren und ihrer räumlichen Auswirkungen anhand von Raumbeispielen, sowie die Veränderungen durch die angestrebte Erweiterung der EU nach NO/O und SO, insbesondere bezüglich der Tschechischen Republik. Auch sollen Zielkonflikte in hochentwickelten Industrieregionen zwischen Ökologie und Ökonomie thematisiert werden. Die Bewertung der europäischen Integration und Globalisierung bietet sich an.

Std.

Aspekte des Themas

Hinweise zu Inhalten, Fachmethoden und

Allgemeine Kompetenzen

9

1. Europa: Natur- und Kulturraum

  

· der Kontinent Europa im Überblick

Festigung des topografischen Grundwissens; Diskussion der Verwendbarkeit physisch-geographischer Abgrenzungskriterien

  

· das Naturpotential Europas

Herstellen von Zusammenhängen zwischen dem inneren Bau Europas und den Oberflächenformen; Gliederung in Klimazonen

  

· politische Gliederung

Erarbeiten von Grunddaten der Staaten sowie politische und wirtschaftliche Zusammenschlüsse; Bewertung und Aussagekraft statistischer Angaben; Bewusstmachung der Bedeutung der europäischen Integration;

  

· historisch-geographische Grundlagen

Diskussion des Begriffs "Europa" aus kulturgeografischer Sicht

  

· Zentralismus – Regionalismus

Darstellung regionalistischer Tendenzen

  

· Nationalitätenkonflikte

Eingehen auf die Bedeutung innerstaatlicher räumlicher und zwischenstaatlicher Disparitäten

 

15

2. Strukturen und Strukturwandel in den Wirtschaftssektoren europäischer Staaten

  

· Strukturen u. Strukturwandel in der Landwirtschaft in der EU

 

 

Wiederholung und Festigung wesentlicher agrargeographischer Grundbegriffe; Erarbeitung von Modellvorstellungen der Standortfaktoren; Charakterisierung europäischer Agrargebiete und Vergleich der Entwicklung nach ihren prägenden Faktoren; Darstellung von Konzentrationsvorgängen nach Ursache und Wirkung; Eingehen auf ökologische Probleme; Bedeutung des ökologischen Landbaus

  

· Strukturwandel in der Landwirtschaft der ost-, mittel- und südosteuropäischen Länder

Erörterung der Raumwirksamkeit planwirtschaftlicher Strukturen; Eingehen auf Unterschiede im Veränderungsprozess einzelner Länder

  

· Strukturen und Strukturwandel in der Industrie der EU

Darstellung und Diskussion industrieräumlicher Ordnungsprinzipien; Typisierung von Industrieräumen; Ermittlung von Ursachen struktureller Krisen in traditionellen Industriegebieten; Darstellung des Ablaufs und der Ergebnisse des Wandels; Untersuchung der Standortbedingungen und räumlichen Verflechtung neuer Industrien

  

· Strukturwandel in der Industrie der ost-, mittel- und südosteuropäischen Länder

Darstellung der Schwierigkeiten beim Übergang von Plan- zur Marktwirtschaft; Hinweise auf das Problem der "Altlasten"

  

· Strukturen und Wandel im Dienstleistungssektor in der EU

Verdeutlichung der Strukturen und Analyse des Wandels im Dienstleistungssektor; Aneignung und Anwendung der entsprechenden Fachbegriffe; Analyse eines landestypischen Bereichs des tertiären Sektors, z.B. Tourismus: Voraussetzungen, Funktion, geoökologische Probleme u.a.; exemplarische Darstellung der Zusammenhänge; Eingehen auf die Rolle der europäischen Metropolen als Dienstleistungszentren

11

3. Bevölkerung, Räumliche Disparitäten, Stadt, Raumplanung

  

· Bevölkerungsbewegungen

Vergleich von Bevölkerungsentwicklung und Wanderungen in verschiedenen Ländern Europas; Eingehen auf politisch und wirtschaftlich motivierte Bevölkerungsbewegungen in Europa seit 1945

  

· Verdichtungsräume und periphere Räume

Untersuchung der Eignung von Indikatoren zur Abgrenzung von Raumkriterien; Analyse eines Verdichtungsraums; Erarbeiten von Merkmalen verschiedener Stadtmodelle sowie Überprüfung bzgl. der Verwendbarkeit; Vergleich von Strukturen und Entwicklungen in peripheren Räumen Europas

  

· Raumplanung und Raumordnung: Theorie und Praxis

Auswertung von Raumordnungskriterien und

-gesetzen; Darstellung grenzüberschreitender Raumordnungsmaßnahmen

15

4. Europäische Union als Wirtschaftsraum

  

· Die EU als heterogener Wirtschaftsraum

Aufzeigen von Differenzierungen im EU-Raum als Wirtschaftsraum und dessen Verflechtungen

  

· Strukturverbessernde Maßnahmen in der EU

Untersuchung eines strukturschwachen oder eines grenzüberschreitenden Raumes

  

· Subnationale Zusammenarbeit zur Lösung landschaftsökologischer Probleme in Europa

Untersuchung möglicher Problembeispiele:

Donau, Alpen, Mittelmeer

  

· Europäische Zusammenarbeit in einem Wirtschaftsbereich

Kennen lernen länderübergreifender Energie- und Verkehrskonzepte

  

· Angestrebte Erweiterungen der EU

Beurteilung der wirtschaftlichen Struktur eines beitrittswilligen europäischen Staates, z.B. der Tschechischen Republik, Diskussion der gegenwärtigen Situation und der zukünftigen Entwicklung anhand aktueller Daten, Bewertung der Transformationsprozesse in Ostmitteleuropa

  

· Rückwirkung der Globalisierung auf Europa

Untersuchung anhand eines Raumbeispiels oder einer Industriebranche

 

12.2 Großmächte (USA – Russische Föderation) im Vergleich (50 Std.)

Vor dem Hintergrund des politischen und wirtschaftlichen Strukturwandels in den Großräumen der USA und der Sowjetunion bzw. ihrer Nachfolgestaaten muss der Vermittlung der politischen und wirtschaftlichen Bedeutung beider Staaten Rechnung getragen werden, indem Aspekte des Raumpotenzials, der räumlichen Machtbasis der Großmächte sowie Probleme der Raumweite, der räumlichen Erschließung und selbstverständlich aktuelle raumbezogene Tendenzen verdeutlicht werden. Ein hohes Maß an Parallelität sowie vergleichende Betrachtungen sollen den Schülerinnen und Schülern die Grundlage für eine ergiebige kritische Gegenüberstellung liefern, wobei dazu aufgefordert werden sollte, das Material zunehmend selbstständig zu erschließen, um ein Verständnis für das Weltgeschehen und allgemeines Problembewusstsein als Beitrag zur politischen Erziehung zu entwickeln.

Die folgenden Thematiken beziehen sich jeweils auf beide Großmächte, – ob im direkten Vergleich oder nacheinander mit abschließendem Bezug zueinander – bleibt der Lehrkraft überlassen.

Std.

Aspekte des Themas

Hinweise zu Inhalten, Fachmethoden und

allgemeinen Kompetenzen

13

1. Naturausstattung und Raumerschließung

  

· Naturgeografische Raumeinheiten und Gunst- und Ungunstfaktoren sowie bevölkerungsbezogene und wirtschaftliche Raumerschließung in Vergangenheit und Gegenwart

Erstellen von topografischen, morphologischen, klimatischen, boden- und vegetationsgeografischen Übersichten sowie der Landnutzung als Grundlage einer Skizzierung großräumiger Erschließungsvorgänge; Vergleich von Lage, Größe und Grenzen; Auswerten historischer Darstellungen, Statistiken und thematischer Karten; vergleichende Analyse der Bedeutung unterschiedlicher politischer Systeme und wirtschaftlicher Leitbilder für die Erschließung von Rohstoffquellen, Siedlungsräumen und Wirtschaftsterritorien; Eingehen auf Motive, Ziele und Methoden der historischen Raumerschließung

11

2. Raumordnung in wirtschaftlich unterschiedlich geprägten Systemen

 

 

 

 

  

 

· Erschließung und Nutzung von Räumen unter Einfluss marktwirtschaftlicher und postplanwirtschaftlicher Prinzipien und ihre Bedeutung für die räumliche Verflechtung

 

 

 

 

Vergleich und differenzierte Beurteilung von Erschließungs- und Entwicklungsmaßnahmen aus verschiedenen Wirtschaftsbereichen unter ähnlichen naturräumlichen Bedingungen; Herausarbeitung der unterschiedlichen Bedeutung der Produktionsfaktoren bei Erschließungsmaßnahmen; Einbeziehen unterschiedlicher Konzepte oder Projekte, wie z.B. Kombinat, Territorialer Produktionskomplex u.a.; Diskussion der sog. Belt-Strukturen; Auswerten von Material zum Strukturwandel; angemessenes Eingehen auf wichtige aktuelle Veränderungsprozesse und ihre Raumwirksamkeit

10

3. Nutzungskonflikte und geoökologische Fragen

  

· Störungen des labilen ökologischen Gleichgewichts, Maßnahmen zur Vorbeugung, Bewältigung des Problems der "Altlasten"

Erklären der Zusammenhänge zwischen der Naturausstattung für die Raumerschließung und den unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Prioritäten; Verdeutlichung von klein- und großräumigen bzw. globalen Ursache-Wirkungsgeflechten bei der Erschließung und Nutzung von Raumeinheiten bzw. Ressourcen; Diskussion und Sensibilisierung hinsichtlich der Wirksamkeit staatlicher und privater Maßnahmen zum Schutz des ökologischen Gleichgewichts sowie deren Störungen anhand von Beispielen

5

4. Raum- und Wirtschaftspotenzial als Machtfaktor?

  

Analyse von Strukturdaten der Staaten zu Raumgröße und Raumpotenzial bezüglich ihrer internationalen und nationalen Bedeutung, Untersuchung zum Begriff "Weltmachtstellung"

11

5. Großmächte in Ostasien

  

- Japan –Wirtschaftsriese in Ostasien

- China – die kommende Weltmacht?

Auseinandersetzung mit aktuellen weltpolitischen und weltwirtschaftlichen Entwicklungen; landesspezifische Ausprägungen der Wirtschaftsdynamik; wirtschaftsräumliche Verflechtungen in Ost-/Südostasien

13. / VI. Jahrgang

13.1 Entwicklungsländer ( 50 Std.)

Entsprechend der Komplexität dieser Thematik muss das Denken, Verhalten, Entscheiden und Handeln der im Unterricht zu betrachtenden Menschen auf die maßgeblichen Handlungshintergründe zurückgeführt werden. In die Problemkonstellation sollten sämtliche Aspekte einfließen, die für eine sachbezogene Analyse wichtig sind: soziale und ökologische Bedingungen auf lokaler Ebene, ökologische und politische Zwänge auf nationaler Ebene sowie die Abhängigkeiten auf internationaler Ebene. Deshalb sollte bei den Schülern Wissen aktualisiert und bewusst gemacht und mit davon abweichenden Positionen anderer Schüler konfrontiert werden. Mit Hilfe neuer Informationen sollten die Schüler Problemkreise bearbeiten, neue Begründungszusammenhänge und Sichtweisen in aktiver Auseinandersetzung erkennen sowie die gewonnenen Ergebnisse und Erkenntnisse angemessen darstellen, bewerten, beurteilen und Handlungsmöglichkeiten aufzeigen.

Std.

Aspekte des Themas

Hinweise zu Inhalten, Fachmethoden und

allgemeinen Kompetenzen

12

1. Entwicklungsländer: Allgemeine Grundlagen

  

· Indikatoren der Unterentwicklung

Diskussion des Begriffs Unterentwicklung; Erfassen, Zusammenstellen und Bewerten von Strukturdaten; Vergleichen und Prüfen von Abgrenzungskriterien; Herstellen von regionalen Bezügen

  

· Grundprobleme der Entwicklungsländer

Auswerten aktueller Berichte, Statistiken und Diagramme; Erarbeitung der Zusammenhänge bestimmter Problemfelder; Darstellung und Diskussion von Merkmalen anhand von Modellvorstellungen ( Modell des demografischen Übergangs, Pull- und Push-Faktoren, Zentrum-Peripherie-Modelle u.a.)

  

· Theorien der Unterentwicklung

Überprüfen verschiedener Theorien, auch Teufelskreis der Armut, bzgl. ihres Erklärungswertes anhand konkreter Länderbeispiele; Vergleich und Bewertung der Entwicklungsstrategien

10

2. Naturpotenzial der Tropen und Subtropen

  

· Abgrenzungen und innere Differenzierung

Festigung des topografischen Grundwissens; Diskussion von Kriterien zur Abgrenzung verschiedener Naturräume: Auswerten von Material und naturgeografischen Bedingungen

  

· Entwicklungsmöglichkeiten und Entwicklungshemmnisse in den Ökosystemen

Grafische Umsetzung von Kausalzusammenhängen; Darstellung der Wirkung von Eingriffen unter Einbeziehung von Modellen; Überlegungen zu ökologisch belastenden und angepassten Nutzungsformen; Einbeziehung fachwissenschaftlicher Texte

8

3. Bedeutung sozioökonomischer Faktoren für die Unterentwicklung

  

· Wirkung der Strukturelemente Kolonialismus, Religion, ethnische Vielfalt, sozioökonomischer Dualismus

Auswertung von Karten, Fachliteratur, Statistiken, Lexika etc. zur Darstellung der Entwicklung und der aktuellen Situation in ausgewählten Ländern; Erarbeitung kulturerdteil- und landesspezifischer Merkmale unter Berücksichtigung des kolonialen Erbes; typische Strukturelemente, -schwächen und –stärken; Diskussion von Entwicklungsansätzen

10

4. Entwicklungen und Entwicklungsmöglichkeiten in den traditionellen und modernen Wirtschaftsbereichen der Entwicklungsländer

  

· Entwicklungshilfe: Unterschiedliche Entwicklungsprojekte aus den drei Wirtschaftssektoren

Sammeln, Auswerten und Darstellen von Materialien zu ausgewählten Entwicklungsprojekten; Vergleich von Entwicklungsprojekten hinsichtlich ihrer Konzeption, Ausführung und Wirksamkeit; Bewertung aus Sicht der betroffenen Länder und Entwicklungshilfeleistenden;

  

·1 Das Prinzip der Nachhaltigkeit

Betrachtung von Entwicklung im Spannungsfeld von Ökonomie und Ökologie; Diskussion der Notwendigkeit von Handeln in globaler Verantwortung, zum Schutz von Ressourcen und zur Erhaltung natürlicher Ökosysteme

10

5. Nord - Süd - Gegensätze: Das Verhältnis zwischen Industrie- und Entwicklungsländern

  

· Der Nord - Süd - Konflikt als internationales Problem

Analysieren, Strukturieren und Verstehen der weltwirtschaftlichen Zusammenhänge und Abhängigkeiten sowie Erkennen und Bewerten ihrer Folgen anhand von Wirtschaftssektoren, Welthandelsprodukten und regionalen Beispielen; Verschuldungsproblematik; Erläuterung und kritische Beurteilung von Verbesserungsvorschlägen (u.a. Neue Weltwirtschaftsordnung), Entwicklung eigener Vorschläge, Diskussion und Bewertung der Anwendbarkeit; Aufbau einer "Gegenmacht" zu den hochindustrialisierten Ländern

13.2 Tragfähigkeit der Erde (36 Std.)

Die wechselseitigen Einflüsse von Mensch und Gesellschaft auf die Umwelt sind von entscheidender Bedeutung für unsere Zukunft. Daher werden mit dieser abschließenden Thematik über klein- und großräumige Analysen hinaus globale ökologische Zusammenhänge betrachtet. Auf dieser Grundlage wird die gesamte Erde als begrenzter und gefährdeter Lebensraum für die schnell wachsende Menschheit thematisiert. Die Behandlung der Tragfähigkeit der Erde beginnt mit der Diskussion der Determinanten der Entwicklung und Verteilung der Weltbevölkerung und der daraus sich ergebenden Prognosen sowie einer Analyse der Ressourcennutzung. Darauf folgt der Einblick in globale geoökologische Prozesse, die die Erde als komplexes System betreffen und/oder betreffen werden. So wird das eingangs geschaffene Verständnis landschaftsökologischer Zusammenhänge in anderen Bezügen in ihrer Gefährdung und Labilität dargestellt und verdichtet. Vereinfachende und einseitige Denkansätze sollen zugunsten einer Einstellung abgebaut werden, welche die Welt als komplexes System vieler miteinander verknüpfter Elemente erfasst. Der Geografieunterricht soll den Schülerinnen und Schülern ein kritisches Verständnis für sozialräumliche und geoökologische Probleme vermitteln, globalverantwortliches Denken fördern und die Fähigkeit zur Beurteilung weltweiter räumlicher und ökologischer Veränderungen entwickeln.

Std.

Aspekte des Themas

Hinweise zu Inhalten, Fachmethoden und

allgemeinen Kompetenzen

12

1. Tragfähigkeit der Erde

  

· Bevölkerungswachstum und Welternährung

Kennenlernen, Analyse, Vergleich und Diskussion von Prognosen über die zukünftige Tragfähigkeit der Erde, Modell des demografischen Übergangs

 

  

· Ressourcen – die Grenzen des Wachstums

Begriffsbestimmung und Untersuchung der begrenzenden Faktoren und ihre Abhängigkeiten aus natur- und humangeografischer Sicht; Analyse von Weltmodellen zur Beschreibung der globalen Verflechtungen unter Einbeziehung verschiedener grafischer Darstellungen; ggf. Einsatz geeigneter Computersimulationen

24

2. Gefährdung, Sicherung und Planung der Lebensgrundlagen auf dem Planeten Erde

  

· Globale Klimaveränderungen

Darstellung unterschiedlicher Forschungsergebnisse hinsichtlich der Veränderung des Weltklimas; Einbeziehung von aktuellen Informationen und Eigenbeobachtungen; Herausstellen der Einflussgrößen Bevölkerungswachstum und weltweite Industrialisierung; Erarbeitung und Diskussion von Szenarien über globale und regionale Auswirkungen von Klimaveränderungen; Darstellung, Diskussion und Bewertung von Gegenmaßnahmen

  

· Gefährdung und Schutz von

Ökosystemen

Erarbeitung der Lebensbedingungen in einem ungestörten Ökosystem; Darstellung irreversibler Zerstörungen durch Eingriffe in den Naturhaushalt; Überlegungen zu Zielkonflikten; Eingehen auf verschiedene Konzepte zum Schutz des Ökosystems, z.B. Richtlinien für eine umweltpolitisch vernünftige, nachhaltige Nutzung

  

· Belastung von Gewässern und Böden

Darstellung im Überblick aus globaler Sicht; qualitative und quantitative Untersuchungen des Wasserkreislaufes; Erkennen der Bedeutung des Bodens als Lebensgrundlage und Lebensraum; Herausarbeiten der Folgen durch die Steigerung gesellschaftlicher Ansprüche

  

· Schutz der Ressourcen Boden,

Wasser und Luft

Zusammenfassung und Erweiterung der bisher erworbenen Kenntnisse zu den Elementen des „Systems Erde".

Analyse der globalen Situation (und der vor Ort im Vergleich); Herausstellen der Bedeutung öffentlicher und persönlicher Verantwortung für den Schutz der Lebensgrundlagen

 

Anhang zum Lehrplan des deutschsprachigen Erdkunde-Unterrichts:

Zusammenhang zu Fächern des muttersprachlichen Unterrichts der tschechischen Abteilung

In der 9. Jahrgangsstufe (2 N) wird das Fach Bürgererziehung 2-stündig unterrichtet. Je nach Beginn der gymnasialen Ausbildung kann dieser Unterricht auch schon in der Grundschule stattfinden. Hier werden auf einem dem Alter der Schüler angepassten Niveau Inhalte angesprochen, die in den folgenden Jahrgängen vertieft thematisiert werden (Leben in der Gesellschaft, Wirtschaft, Menschenrechte, Ethik, Staat und Gesetz, multinationale Gesellschaft, Familie, Pubertät, Emotionen).

In der 10. und 11. Jahrgangsstufe (3 N und 4 N) wird das Fach Sozialkunde jeweils 2-stündig auf gymnasialem Niveau erteilt.

In der 10. Jahrgangsstufe sind die Hauptthemen Psychologie und Logik, Soziologie und Politologie sowie Rechtskunde.

Gegenstand von Psychologie und Logik sind u. a. Elemente der Aussagenlogik wie Implikation und Konjunktion (s. Aristoteles), Emotionen, Körpersprache, Handlung und Motivation, Frustration, Persönlichkeit, Charakter, Temperament, Intellekt, Werte, Moral, aber auch psychische Störungen.

Die Themenfelder Soziologie und Politologie werden zunächst begrifflich und historisch betrachtet. Es werden Probleme des Menschen als Individuum und in der Gesellschaft aufgezeigt. Weitere Aspekte sind Gleichheit und Ungleichheit, Rassenprobleme, die Spannungsfelder Liberalismus und Sozialismus sowie Konformität und Kriminalität. Ebenso kommen Zukunftsfragen der Gesellschaft (Entwicklung von Europa – Vergleich mit den USA), die Staatsorgane der tschechischen Republik, Demokratie und politische Beteiligung in dem tschechischen Stoffverteilungsplan vor.

Im Rahmen der Rechtskunde wird die historische Entwicklung des Rechtsbegriffs seit der Antike behandelt und im Weiteren werden die Französische Revolution sowie die Verbindung zur Französischen und amerikanischen Verfassung thematisiert. Abschließend werden in dieser Jahrgangsstufe Inhalte des Bürgergesetzes, des Familiengesetzes und des Strafgesetzes besprochen.

In der 11. Jahrgangsstufe stehen die Rahmenthemen Ökonomie sowie Philosophie und
Ethik
im Mittelpunkt.

Nach einer Begriffsklärung wird auch hier zu Anfang der historische Aspekt aufgegriffen - beginnend bei Aristoteles und der Begründung des Reichtums bei den Griechen und Römern - werden im Folgenden ökonomisch relevante Aspekte des Mittelalters herausgestellt und in Verbindung zu christlichen Vorstellungen gesetzt. Moderne ökonomische Theorien (z. B. Thomas Smith) werden ebenso betrachtet wie der Gegensatz zwischen staatlich gelenkter Zentralwirtschaft und (sozialer) Marktwirtschaft. Makroökonomische Elemente wie Inflation und Arbeitslosigkeit werden abschließend in den Gesamtkontext einbezogen.

Der Themenbereich Philosophie und Ethik befasst sich mit Sinnfragen und sucht adäquate Antworten. Der geschichtliche Rückblick reicht hier von der Antike über den Barock und der Renaissance bis zu den deutschen Philosophen Kant, Nietzsche, Hegel und Feuerbach. Tschechische Philosophen und die Philosophie des 20. Jahrhunderts werden abschließend mit aktuellen Fragen zur Philosophie verbunden.

Für den deutschsprachigen Erdkunde-Unterricht ergeben sich aus diesem Stoffplan nur punktuell thematische Kongruenzen, die aber für den Aufbau und die inhaltliche Ausgestaltung des Lehrplans ohne grundsätzliche Bedeutung sein dürften.

Dieser Lehrplan wurde in der vorliegenden Fassung von der KMK genehmigt.

Liberec im Juni 2002

Günter Otto, Fachleiter Erdkunde

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