Lehrplan für das Fach Deutsch

Gymnasium F.X.Šaldy Liberec

Deutschsprachige Abteilung (DA)

Vorwort

1. Rahmenbedingungen

Die Deutschsprachige Abteilung des Gymnasiums F.X.Šaldy Liberec ermöglicht tschechischen Jugendlichen, an einem staatlichen Gymnasium einen sechsjährigen Lehrgang zu durchlaufen, der sowohl mit dem tschechischen Sekundarabschluss als auch mit der deutschen Allgemeinen Hochschulreife abschließt. Letztere wird nach den Vorgaben der „Einheitlichen Prüfungsanforderungen im Abitur" abgelegt. Im Jahr 2002 wurde von der KMK eine neue Einheitliche Prüfungsordnung (EPA) für das Fach Deutsch, Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 01.12.1989 i.d.F. vom 24.05.2002 verabschiedet, deren Änderungen in diesem Lehrplan Berücksichtigung fanden. Als Grundlage für die deutsche Reifeprüfung dient die „Ordnung für die Durchführung der Prüfung zur Erlangung eines Zeugnisses der deutschen allgemeinen Hochschulreife und des tschechischen Sekundarabschlusses für Absolventen deutschsprachiger Abteilungen an staatlichen Spezialgymnasien in der Tschechischen Republik" (Beschluss der KMK vom 17.2.1994, i.d.F. vom 26.06.2002). Eine Ergänzung zu dieser Prüfungsordnung liegt vor in den „Ausführungsbestimmungen zur Aufgabenstellung und Bewertung von Arbeiten in Prüfungen zum Erwerb der deutschen allgemeinen Hochschulreife im Ausland", verabschiedet vom Bund-Länder-Ausschuss für schulische Arbeit im Ausland am 22.1.1998.

Nach einem zweijährigen intensiven Lehrgang in Deutsch als Fremdsprache (DaF) (im 1.Jahr 10, im 2.Jahr. 9 Wochenstunden Deutsch) werden die Jugendlichen vier Jahre lang nicht nur im Fach Deutsch, sondern auch in Mathematik, Physik, Biologie, Chemie (wird ab 2004 durch Erdkunde ersetzt) und Geschichte in deutscher Sprache von deutschen Lehrkräften unterrichtet.

Der vorliegende Lehrplan löst den bisherigen Fachlehrplan Deutsch von StD Schleuning aus dem Jahr 1994 ab. Der Lehrplan orientiert sich an dem Fachlehrplan Deutsch des Bundeslandes Bayern (hier wurde der z.Z. noch gültige Fachlehrplan vom 10.12.1991, sowie der ab dem Schuljahr 2003-04 neu eingeführte Fachlehrplan i.d.F. vom 19.02.2003 berücksichtigt), bezieht aber auch Fachlehrpläne anderer Bundesländer und neuere didaktisch-methodische Ansätze ein und vermeidet zu enge Festlegungen zugunsten von Freiräumen, die individuell ausgestaltet werden können. Die besonderen Gegebenheiten des bilingualen Studienganges wurden in Anlehnung an den Lehrplan Deutsch des Spezialgymnasiums Gymnáziums Na Pražačce Prag vom 08.02.2001 eingearbeitet. Es fanden vielfältige und langjährige Praxiserfahrungen von Kollegen und Kolleginnen Eingang, die das Fach Deutsch in den Spezialgymnasien der tschechischen Republik (Liberec und Prag) unterrichteten.

2. Das Fach Deutsch

2.1 Stellenwert des Faches

Das Fach Deutsch ist sowohl mündliches als auch schriftliches Prüfungsfach. Es hat in der Reifeprüfung die Stellung der Muttersprache (DaM). Darauf sind die Anforderungen und Bewertungskriterien abgestellt. Sie dürfen nicht an die für Deutsch als Fremdsprache (DaF) geltenden Vorgaben angeglichen werden. So besteht die Aufgabe, den durch diese beiden Setzungen abgegrenzten Bereich zügig zu durchlaufen, so dass die Schüler auf die hohen sprachlichen Anforderungen der Abiturprüfung vorbereitet werden. Das im Fach Deutsch häufig breite Spektrum unterschiedlicher Lernvoraussetzungen muss bei den Bewertungsentscheidungen berücksichtigt werden. Die vorhandenen numerischen Relationen (Fehlerquotienten) können dabei als Orientierung dienen, müssen aber der Jahrgangsstufe und dem Leistungsstand der Schüler sinnvoll angepasst werden. (vgl. Ausführungsbestimmungen vom 22.1.1998, II.4). Für die tschechischen Schülerinnen und Schüler der Deutschsprachigen Abteilung ist Deutsch zunächst Zweitsprache. Der Unterricht hat sich folglich mit dieser Gegebenheit auseinander zu setzen. Es werden in jedem Fall Erkenntnisse aus der Zweitsprachendidaktik heranzuziehen sein. Hierzu gehört die Berücksichtigung von Sprachlernstrategien, von spezifischen Problemen negativen Transfers (Interferenzen) sowie von sozialpsychologischen Faktoren.

2.2 Umfang und Wochenstundenzahl

Zu den Besonderheiten des sechsjährigen Studienganges gehört, dass die fachlichen Inhalte und Fertigkeiten der Sekundarstufen I und II anstatt in 9 Jahren in 6 Jahren (Klasse 8-13) vermittelt werden müssen. Die zwei vorbereitenden Jahre (Klasse 8 und 9) kommen dafür allerdings nur bedingt in Betracht, da hier zuerst eine Vereinheitlichung der Sprachkenntnisse angestrebt werden muss. Dennoch ist auch in diesen beiden Vorbereitungsjahren Wert auf die Einübung von grundlegenden Arbeitstechniken und auf die Einführung in das Umgehen mit Texten zu legen. In den vier Jahren des in den oben genannten Fächern deutschsprachigen Unterrichts nach deutschen Fachlehrplänen steht dem Fach Deutsch eine Stundenzahl von 6 (Klasse 10 und 11) bzw. 4 Wochenstunden (Klasse 12 und 13) zur Verfügung. In den beiden Abschlussjahrgängen können als Wahlfach jeweils 2 Wochenstunden Konversation angeboten werden. Der Unterricht wird ausschließlich von Muttersprachlern erteilt.

3. Auftrag des Faches Deutsch

Mit dem Bestehen der deutschen Reifeprüfung erbringen die Schülerinnen und Schüler den Nachweis, dass sie die Voraussetzungen für die Aufnahme eines Studiums an den Hochschulen der Bundesrepublik Deutschland erfüllen.

Der Unterricht im Gymnasium, insbesondere in der gymnasialen Oberstufe, soll den Bildungsprozess der Schülerinnen und Schüler in seiner personalen, sozialen und fachlichen Dimension fördern. Bildung wird dabei als Lern- und Entwicklungsprozess verstanden, der sich auf das Individuum bezieht und in dem kognitives und emotionales, fachliches und fachübergreifendes Lernen, individuelle und soziale Erfahrungen, Theorie und Praxis miteinander verknüpft und ethische Kategorien vermittelt und angeeignet werden. Das Fach Deutsch hat in besonderem Maße Anteil an diesem Prozess. Im Verbund mit den anderen Fächern sollen Erziehung und Unterricht im Fach Deutsch zu einer wissenschaftspropädeutischen Ausbildung führen und Hilfen zur persönlichen Entfaltung in sozialer Verantwortlichkeit geben.

3.1. Wissenschaftspropädeutik

Wissenschaftspropädeutisches Lernen ist gekennzeichnet durch Systematisierung, Abstrahierung, Methodenbewusstsein und Problematisierung. Es setzt ein jederzeit verfügbares, gut vernetztes fachliches Grundlagenwissen und die Fähigkeit zu selbständigem Arbeiten voraus. Es wird das Verständnis für grundlegende wissenschaftstheoretische und philosophische Fragestellungen bei der Interpretation von Wirklichkeit, der Diskussion ethischer Grundprobleme und der Reflexion des eigenen Denkens und Handelns vermittelt.

Wissenschaftspropädeutisches Arbeiten im engeren Sinn wird in der Oberstufe erwartet, jedoch muss bereits in der Mittelstufe darauf vorbereitet werden. Der Unterricht soll so gestaltet werden, dass die Schülerinnen und Schüler lernen, eine Aufgabenstellung selbständig zu bearbeiten und zu strukturieren, die erforderlichen Arbeitsmethoden problemangemessen und zeitökonomisch auszuführen, Hypothesen zu bilden und zu prüfen, die Arbeitsergebnisse angemessen darzustellen. Die Reflexions- und Urteilsfähigkeit, d.h. problem- und prozessbezogenes Denken und Denken in Zusammenhängen muss geschult werden. Die Schülerinnen und Schüler sollen sachgemäß argumentieren lernen, Meinungen von Tatsachen, Wesentliches von Unwesentlichem unterscheiden.

3.2. Persönliche Entfaltung und soziale Verantwortlichkeit

Die Schülerinnen und Schüler der Deutschsprachigen Abteilung sind in besonderer Weise kulturellen Differenzen und Spannungen ausgesetzt. Dies kann gleichermaßen als Chance wie als Herausforderung angesehen werden. Gerade die Bewusstmachung und das Aushalten solcher Spannungen können die Persönlichkeitsentwicklung erheblich fördern. Man sollte aber auch berücksichtigen, dass es u.U. zu tiefgreifenden Verunsicherungen kommen kann.

Im Spannungsfeld von persönlicher Entwicklung und gesellschaftlich-sozialen Aufgaben sind folgende Aspekte zu beachten:

- Schülerinnen und Schülern soll die Möglichkeit zur Entfaltung und Nutzung ihrer individuellen Fähigkeiten gegeben werden.

- Die Schülerinnen und Schüler sollen sich mit Werten, Wertsystemen und Orientierungsmustern auseinandersetzen, um tragfähige Antworten auf die Frage nach dem Sinn des eigenen Lebens zu finden.

- Die Schülerinnen und Schüler sollen ihre soziale Kompetenz entwickeln und in der aktiven Mitwirkung am Leben in einem demokratisch verfassten Gemeinwesen unterstützt werden.

- Die Schülerinnen und Schüler sollen auf ein Leben in einem zusammenwachsenden Europa und in einer international verflochtenen Welt vorbereitet werden.

- Die Schülerinnen und Schüler sollen bei ihrer Studien- und Berufswahl unterstützt werden.

4. Didaktische Konzeption und fachliche Anforderungen im Fach Deutsch

Die Einbettung des bilingualen Studiengangs in das tschechische Schulsystem, das die Schülerinnen und Schüler in ihren Vorkenntnissen und Fertigkeiten sieben Jahre lang geprägt hat (in den Naturwissenschaften und in Mathematik muss man von neun Jahren sprechen), stellt jeden Versuch, eine didaktische Konzeption zu erstellen, die gleichermaßen den Schülerinnen und Schülern wie auch den Anforderungen der deutschen Reifeprüfung gerecht werden will, vor ungewöhnliche Schwierigkeiten. Gewisse Fähigkeiten, die die Schülerinnen und Schüler bei Eintritt in die Deutschsprachige Abteilung mitbringen, können allerdings auch fruchtbar gemacht werden. Hierzu gehört das selbstverständliche Sich-Aneignen einer großen Faktenfülle und die oft erstaunliche Vertrautheit mit Werken der Weltliteratur, mit der die Schüler im tschechischen Sprach- bzw. Literaturunterricht konfrontiert werden. Oftmals wird aber auch eine mangelhafte Durchdringung des Gegenstandes bzw. ein nur oberflächliches Verständnis sprachlicher und inhaltlicher Phänomene zu beobachten sein. Insbesondere selbständiges Arbeiten und das differenzierte Argumentieren und Urteilen fällt Schülerinnen und Schülern noch in der 10. Klasse schwer.

Die Konsequenz aus dem verkürzten Studiengang, der noch dazu das Problem der unvollkommenen, bisweilen noch stark eingeschränkten Sprachkompetenz zu berücksichtigen hat, muss eine Reduzierung auf Wesentliches, ein in verstärktem Maße exemplarisches Arbeiten sowie eine besondere Förderung grundlegender Kompetenzen sein. Diese werden im Folgenden kurz charakterisiert.

4.1. Methodische Kompetenz

Der Deutschunterricht trägt wie jeder andere Unterricht zum Erwerb und zur Vertiefung von Methoden zielgerichteten, selbständigen und selbst gesteuerten Arbeitens bei. Im DU stehen im Vordergrund Methoden sprachlichen Arbeitens (Methoden des Verstehens, Methoden sprachanalytischer Arbeit, Methoden schriftlicher Darstellung, Methoden mündlicher Verständigung, Methoden produktionsorientierten Arbeitens), die gleichzeitig Unterrichtsgegenstand, fachliche Verfahrensweise und Lernstrategie darstellen.

4.2. Kulturelle Kompetenz

Kulturelle Kompetenz ist auf interkulturelle Erfahrung angewiesen. Diese Erfahrung ist alltäglicher Bestandteil für die Schülerinnen und Schüler der Deutschsprachigen Abteilung. Das Verständnis für die Geschichte des kulturellen Lebens und seiner Erscheinungsformen darf sich nicht auf herrschende Meinungen und Traditionen beschränken, sondern muss Formen, die unter anderen kulturellen Bedingungen entstanden sind und häufig als fremd empfunden werden, einbeziehen. Die Entwicklung dieser Kompetenz soll zu aktiver Teilnahme am kulturellen Leben befähigen, in dem Sprache, Literatur und Medien als bedeutsam erfahren werden. Dazu gehört, die in der Öffentlichkeit diskutierten Probleme wahrzunehmen, vorgetragene Argumentationen nachzuvollziehen sowie dazu kritisch und wertend Stellung zu nehmen. Im Zentrum des Deutschunterrichts steht die Auseinandersetzung mit Literatur, Sachtexten, Theater und Film sowie mit Print- und elektronischen Medien. Hierher gehört aber auch der Besuch von Veranstaltungen des tschechisch-deutschen Kulturaustauschs (Goethe-Institut, Theaterfestival etc.) und die Teilnahme an internationalen Jugendbegegnungen und Seminaren. Letztere sind insbesondere im Hinblick auf eine erwünschte „Europafähigkeit" der Schülerinnen und Schüler in jedem Fall zu fördern.

4.3. Lesekompetenz

Die Fähigkeit, Texte zu verstehen, muss während des vierjährigen Studiengangs systematisch ausgebildet werden; zunehmend müssen auch komplexe, sprachlich und ästhetisch bzw. argumentationslogisch anspruchsvolle Texte Gegenstand der Untersuchung werden. Insbesondere sollen die Schülerinnen und Schüler lernen, ein Textganzes im Kern zu erfassen, zusammenzufassen sowie auch Fragen an einen Text zu stellen. Lesen sollte als Schlüssel zur Medienkultur gesehen werden. Leseförderung ist also gleichzeitig Medienerziehung, eine pragmatische Einführung in die Grundlagen der Mediennutzung am Beispiel des Mediums Buch; dazu gehören die Entwicklung der Phantasietätigkeit, Fähigkeit des Perspektivenwechsels, Schaffung von ‘Leseumwelten‘, literarische Geselligkeit und Kommunikation über Literatur. Lesekompetenz ist eine entscheidende funktionale Voraussetzung für die kompetente Nutzung anderer Medien.

4.4. Schriftsprachenkompetenz

Eine der jeweiligen Situation und dem jeweiligen Anlass flexibel sich anpassende grammatikalische und stilistische Ausdruckskompetenz lässt sich nur über längere Zeit entwickeln. Hierbei ist wichtig, dass die Schüler viel schreiben. Das Verfassen zusammenhängender, in sich klar strukturierter kürzerer, aber auch umfangreicherer Texte soll durchgehend einen Platz im Deutschunterricht haben. Hierbei sollten möglichst vielfältige Textsorten Beachtung finden, die Schreibanlässe sollten abwechslungsreich sein und möglichst oft lebensweltlichen Bezug haben (z.B. Korrespondenzen mit Partnerschulen, Berichte und Reportagen über Schüleraustausche und außerschulische Veranstaltungen, Teilnahme an Literaturwettbewerben). Eine hohe emotionale Beteiligung der Schreiber wird sich auch positiv auf den Lernzuwachs in der Zweitsprache auswirken. Eine Erweiterung des Kanons über die analytisch-diskursiven Schreibformen hinaus sollte angestrebt werden: Essays, Abstracts, Rezensionen, kreative Texte. Gestaltende und kreative Textaufgaben sollten verstärkt in den Literaturunterricht einbezogen werden. Dies bestätigt auch die Neufassung der EPA, die ab 2005, „gestaltende Arbeiten" in Form von gestaltender Interpretation oder adressatenbezogenem Schreiben als Abituraufgabe vorsieht.

Eine wechselseitige Annäherung von gelesenen und zu schreibenden Texten wie z.B. fiktionales Schreiben im Zusammenhang mit der Lektüre von literarischen Texten oder Lesen von Sachtexten im Zusammenhang mit dem Schreiben erörternder Texte ist hier häufig eine sinnvolle Methode.

4.5. Rhetorische Kompetenz

Zentrale Aufgabe eines Deutschunterrichts für Nicht-Muttersprachler muss die Ausbildung der mündlichen Ausdrucksfähigkeit sein. Alle Formen des Gesprächs (Kontakt-Gespräch, Klärungs-Gespräch, Streitgespräch etc.) - auch nach literarischen Vorgaben (Dramenszenen) und alle Formen der Rede (Ansprache, Stellungnahme, Vortrag, Referat etc.) sollten altersentsprechend geübt werden. Rhetorische Kommunikation sollte zunächst in ihre Elemente zerlegt und von dort allmählich aufgebaut werden: ausgehend von einfachen Spielformen über generelle Hinführungstechniken (Übungen zu Körper, Atem, Stimme, Körpersprache) hin zu Präsentationstechniken und ästhetischer Gestaltung (Inszenieren von literarischen Texten, Rezitation, Referatpräsentation). Innerhalb der Medienerziehung stellt in diesem Zusammenhang einen wichtiger Aspekt die Medien-Rhetorik dar.

4.6. Kreative und ästhetische Kompetenz

Kreativität bedeutet Verlassen fester Systeme und internalisierter Normengerüste, kreatives Denken ist vernetzendes Denken. Kreativität darf nicht mit Ziellosigkeit verwechselt werden, sondern ist Medium für Problemlösungsverfahren. Kreativität ist nicht voraussetzungslos, sondern meist eine Auseinandersetzung mit Vorgegebenem. Auf Literatur bezogen heißt dies: Die poetische Kreativität erhöht sich, je ausgeprägter und differenzierter ein poetisches Repertoire vorhanden ist. Geht man davon aus, dass Kreativität schulbar und förderbar ist, kann die Ausbildung dieser Fertigkeit eine wertvolle Ergänzung zum geordneten logischen Denken bilden und zu einer Schlüsselqualifikation werden.

Im Deutschunterricht führen diese Überlegungen zu einer Praxis, die vor allem drei Kompetenzbereiche schult:

- Wahrnehmen von realen und medial vermittelten Wirklichkeiten und Gestaltung eigener Wirklichkeiten in Texten

- Vernetzen von Wissen und Durcharbeiten von Problemlösungsstrategien mit dem Ziel der Innovation

- Imagination als aktive, an Textvorlagen geknüpfte Phantasietätigkeit des Lesers (z.B. Theaterübungen im DU)

5. Zusammenarbeit mit anderen Fächern

Unter dem Aspekt des Zweitspracherwerbs sollte der Deutschunterricht an der Deutschsprachigen Abteilung in engem Zusammenhang mit den übrigen Fächern gesehen werden. Im dort stattfindenden DFU erweitern die Schülerinnen und Schüler ihre mündliche und schriftliche Sprachkompetenz. Aber auch inhaltlich ist ein ständiger Austausch mit den anderen Fächern möglich und notwendig. So werden im Deutschunterricht z.B. Präsentationstechniken eingeübt, die dann in einem anderen Fach zur Anwendung kommen können; umgekehrt können Naturwissenschaften oder Geschichte Themen für Kurzvorträge liefern.

Fächerübergreifender Unterricht in größeren oder kleineren Projekten ist in allen Fächerkombinationen denkbar; besonders anzustreben ist eine enge Zusammenarbeit der Fächer Deutsch, Geschichte und Erdkunde, da hier auf zeitökonomische Weise komplexere Zusammenhänge verdeutlicht werden können.

6. Leistungsmessung

Für die Leistungsbewertung gilt der Anspruch weitgehender Objektivität des Urteils und angemessener Vergleichbarkeit der Maßstäbe. Zu bewerten sind Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie prozessorientierte und kreative Leistungen (Aufstellung von Hypothesen, Entwicklung von subjektiven Interpretationsansätzen, eigene Gestaltung). Es ist Aufgabe der Fachkonferenz Kriterien der Leistungsbewertung zu erörtern und durch Absprache und Kooperation ein möglichst hohes Maß an Vergleichbarkeit in den Anforderungen und Bewertungsmaßstäben zu sichern. Die Fachkonferenz entscheidet über die Anzahl der zu schreibenden Leistungskontrollen bzw. Klausuren sowie über die Gewichtung von schriftlichen und mündlichen Anteilen bei der Notengebung. Im Hinblick auf die Anforderungen im Abitur sind in den Jahrgangsstufen 12 und 13 die in der Prüfungsordnung angegebenen Aufgaben- bzw. Klausurtypen besonders zu üben. Auch in den beiden Abschlussklassen sind gezielt freiere und kreativere Aufsatzarten zu schulen (vgl. die neuen EPA-Richtlinien). Sämtliche Formen der Leistungsbewertung sollen sich am vorangegangenen Unterricht, seinen Zielen, Themen und Inhalten orientieren. Klausurtypen sollen an repräsentativen Beispielen im Unterricht und in häuslicher Arbeit vorbereitet und geübt werden.

Liberec, den 30.09.2003

Stefan Beil, Fachleiter Deutsch

Lehrplan der Klasse 3 N

Lehrplan der Klasse 4 N

Lehrplan der Klassen 5N / 6 N

Anhang mit Literaturliste

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