Liberec zwischen den beiden Weltkriegen


LiberecStadt


Liberec, deutsch Reichenberg, liegt in Nordböhmen am Fuße des Isergebirges, 30 km von der deutschen Grenze entfernt. Die Stadt gehörte dem deutschen Adelsgeschlecht Biberstein, das die Herrschaft vom tschechischen König Premysl Otakar II im Jahre 1278 kaufte. Es kamen deutsche Siedler ins Land und errichteten neue Ortschaften. Der Aufschwung der Stadt begann unter der Herrschaft Albrecht von Wallensteins.(17.Jhr.).

In der Stadt wächst die Industrie und damit auch Reichtum und Armut Hand in Hand. Im 19. Jhd.. nimmt Liberec eine führende Stellung in der Arbeiterbewegung in der österreichischen Monarchie ein.

Nach dem Ersten Weltkrieg brachte die Emanzipation des tschechischen Volkes einen selbstständigen Staat hervor, den die Deutschen im Land nicht als den ihren anerkennen wollten. Die tschechische Politik orientierte sich im Gegensatz zu der deutschen, die auf der Idee zweier unabhängiger und national getrennter Gebiete beharrte, auf ein Zusammenleben in einem gemeinsamen Staat, mit der Garantie, dass für die Deutschen alle demokratischen Freiheiten gelten würden, dass ihnen ein entsprechender Anteil an der örtlichen und an der staatlichen Verwaltung zuteil würde und dass ihnen Bildungsmöglichkeiten und die Entfaltung ihrer Kultur in ihrer Muttersprache zuerkannt würden. In Liberec betrug zu der Zeit der Anteil der tschechischen Bevölkerung 15%.

Eine Periode sehr guter Zusammenarbeit beider Völker gab es unter dem Bürgermeister Carl Kostka . Kostka sah die Zukunft der Deutschen in Böhmen in der Zusammenarbeit mit der tschechischen Bevölkerungsmehrheit innerhalb der Tschechoslowakei und lehnte eine Orientierung nach Deutschland hin ab. Anderer Meinung waren die Henleinanhänger (Konrad Henlein gründete 1933 die Sudetendeutsche Heimatfront, aus der 1939 die Sudetendeutsche Partei wurde, die nach der Zahl der Stimmen zur stärksten Partei in der Tschechoslowakischen Republik wurde. Aus der ursprünglichen Forderung der Partei nach Autonomie für die deutschsprachigen Gebiete wurde Mitte der dreißiger Jahre die Forderung „Anschluss ans Reich“. Am 1.10.1938 besetzte die Deutsche Wehrmacht die Sudetendeutschen Gebiete, die nunmehr zum „Reichsgau Sudetenland“ mit der Hauptstadt Reichenberg zusammengefasst wurden.), deren Ideologie zum Nazismus neigte. Die Henleinpartei wurde im Jahre 1935 zur stärksten deutschen Partei. Wie Carl Kostka ließen auch viele deutsche Antifaschisten in der Besatzungs- und Kriegszeit ihr Leben für die Demokratie.

Nach dem Münchner Abkommen wurden die Grenzgebiete (Sudetenland) von der CSR abgetrennt. Es begann eine Scheinblüte für das deutsche Reichenberg. Die Arbeitslosigkeit sank , nicht zuletzt dank der freien Plätze der ins Innere Böhmens zwangsausgesiedelten Tschechen.

Die Maschinerie des Krieges verlangte jedoch entsetzliche Opfer auf allen Seiten. Soldaten kehrten von der Front, Tschechen und Juden aus den KZs nicht heim.

Ohne menschliche Tragödien ging auch das zweimalige große Um –und Aussiedeln nicht ab, welches die Grenzgebiete innerhalb eines einzigen Jahrhunderts heimsuchte, als zuerst die Tschechen flüchteten und als nach dem Krieg die Massenaussiedlung der Deutschen erfolgte (Quelle: Drahonovsky,Karpas, Liberec-Die Stadt im Schoße der Berge, Verlag 555,1998)

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