50 Jahre deutsch - tschechische Beziehungen

Eine Deutschstunde in der 2N, der 9.Klasse des F.X.Šalda Gymnasiums in Liberec. 2N heißt die Klasse deswegen, weil sie der zweiten Klasse der deutschsprachigen Abteilung dieses Gymnasiums angehört. Die Schüler und Schülerinnen haben 10 Stunden Deutsch pro Woche und lernen für das deutsche Abitur. Das Thema der Stunde "Früher und heute“. Die Schüler und Schülerinnen sollten ihre Großeltern über ihre Beziehung zu den Deutschen befragen. Martina und Andrea sitzen nebeneinander. Martina liest aus ihrem Bericht über die Verfolgung und Ermordung ihrer Urgroßmutter im KZ. Andrea , die im Haus ihrer Großmutter deutsch spricht, berichtet über die Schwierigkeiten der gemischten Ehen in dieser Region und über die Diskriminierung der Familie in den Zeiten des Kommunismus. Zwei Mädchen sitzen nebeneinander, sie sind befreundet. Deren Großeltern haben die Wunden der Zeit nur schwer verkraftet.

Szenenwechsel

Die Klasse 3N kommt zurück von einem Austausch mit Vilsbiburg in Bayern. Größtenteils begeistert berichten die Schüler und Schülerinnen über ihre Eindrücke. Es ist ein gutes Gefühl..
Auch wenn in den deutsch-tschechischen Beziehungen auf der politischen und auch auf der gesellschaftlichen Ebene sicherlich noch nicht alle Probleme beseitigt sind, kann man eine positive Entwicklung beobachten. So entstand die Idee, im Rahmen des Wettbewerbs "50 Jahre Bundesrepublik" auch die Entwicklung der deutsch-tschechischen Beziehungen zu zeigen. Unser Beitrag zeigt diese Entwicklung anhand der Berichte der Großeltern, Eltern und Schüler und Schülerinnen aus Liberec. Diese Berichte sind subjektiv und erheben keinen Anspruch auf historische Richtigkeit. Diese Berichte sollen als Quelle für den Geschichtsunterricht dienen. Im nächsten Schritt wollen wir diese Berichte unter historischen und politischen Aspekten auswerten und uns mit den gegenwärtigen deutsch-tschechischen Beziehungen in dieser Region beschäftigen.
Die feierliche Übergabe der Urkaunde fand im Mai 2000 in der Deutschen Botschaft statt. Mit dabei waren auch einige Großeltern.


Zu Besuch in der Deutschen Botschaft

Die Meilensteine in der deutsch - tschechischen Beziehung nach dem 2.Weltkrieg können Sie hier finden.

Am Ende ist es so gekommen, dass drei Generationen gefragt wurden:

Großeltern
--> Eltern
--> Kinder

Großeltern

Katka


Eines Tages habe ich meine Großmutter nach ihrer Beziehung zu den Deutschen gefragt. Meine Großmutter hat mir erzählt: Schon während des ersten Weltkrieges gab es Verhandlungen nicht nur in Europa , sondern auch in Amerika, wie der neue Staat im Herzen Europas aussehen sollte.
Am 29.10.1918 wurde die neue Tschechoslowakische Republik erklärt. Eigentlich war das nach so vielen Jahren die erste wirkliche Demokratie.
Die Sudetendeutschen hatten dieselben Rechte und Pflichten wie die anderen Völker in der CSR.
Im Jahre 1930 gab es in den USA einen Krach an der Weltbörse und infolge dessen breitete sich auch in Europa in einigen Ländern der Faschismus aus. In Deutschland ist im Jahre 1933 Adolf Hitler an die Spitze gekommen. Es wurde gerüstet und gerüstet!
Hier bei uns hat Konrad Henlein die Faschistische Deutsche Partei gegründet.
Ein Beleg, dass man die arische Geburt hat.Am 29.10.1938 wurde in München ein Vertrag unter Deutschland, England, Italien und Frankreich unterzeichnet. Kein Vertreter unserer Republik war dabei. Damit wurde ein großes Gebiet der CSR abgetrennt und mit Deutschland verbunden ( Die betreffenden Gebiete umfassten 17.500 Quadratkilometer Land, auf dem 2.800.000 Sudetendeutsche und 800.000 Tschechen wohnten.). Die Sudetendeutschen wollten "Heim ins Reich".
Am 15.März 1939 wurde das restliche Gebiet wieder durch die deutsche Wehrmacht besetzt und in Berlin zum Protektorat Böhmen und Mähren erklärt (Obwohl Hitler angab, auf weitere Grenzansprüche verzichten zu wollen, bewies er mit dem Befehl zur „ Erledigung der Rest-Tschechei“ am 21.10.1938, dass die Sudetenkrise lediglich den Vorwand für seine Kriegspläne bildete. Nach dem Besuch des tchechoslowakischen Staatspräsidenten Hacha in Berlin und dem Einmarsch deutscher Truppen in die Tschechoslowakei errichtete Deutschland am 16.März 1939 das Reichsprotektorat Böhmen und Mähren. Die Tschechoslowakei war zerschlagen, und die Slowakei wurde zum neuen Vasallenstaat des Deutschen Reiches..
Uns, den Tschechen, ist es ziemlich schwer ergangen. Wir hatten sehr wenig Lebensmittel und waren überall eingeschränkt: Die Hochschulen waren geschlossen, Tausende von Studenten in die Konzentrationslager geschickt oder erschossen. Es war ein schweres Leben.Ganze Jahrgänge mussten im Reich in Fabriken arbeiten.
Ich denke, dass es richtig war, dass die Aussiedlung der Sudetendeutschen auf Grund des Vertrages unter den Weltmächten durchgeführt wurde.Eigentlich war alles sehr human gedacht. Es sind hier jedoch viele deutsche Familien mit denselben Rechten wie wir.
Ich denke, dass die Deutschen während des 2.Weltkrieges ungeheuer viel Schlechtes vielen Menschen angetan haben. Wir dürfen jedoch nicht die heutigen Deutschen dafür verurteilen, was ihre Vorfahren gemacht haben.


Martina

"Welche Erfahrungen hast du mit den Deutschen? Was denkst du über sie?"
"Das ist nicht einfach. Meine Erfahrungen sind sehr verschieden. Eine Zeitlang wohnten wir in Kaaden, wo ich das deutsche Gymnasium besuchte, weil es dort kein tschechisches gab. Die Sprache lernte ich schnell und das erste Jahr war ich in der Schule sehr zufrieden. Im zweiten Jahr (1932) hat es sich geändert. Fast alle Mitschüler trugen weiße Strümpfe und für manche war ich nur „ die blöde Tschechin“. Mein Vater wurde nach Budweis abkommandiert und dort besuchte ich die tschechische Schule. Alles Unangenehme habe ich vergessen.
Nach sieben Jahren wurde Böhmen Protektorat und ich hatte wieder mit den Deutschen zu tun. Die Soldaten der Wehrmacht waren alle ziemlich korrekt. Leider kann man es nicht von der SA,SS oder Gestapo sagen.
Gleich am Anfang wurde mein Onkel, er war Offizier der tschechischen Armee, verhaftet. Damals nannte man es noch „Ehrenhaft“. Er kehrte erst nach dem Krieg aus Buchenwald zurück, wo ihm deutsche politische Häftlinge das Leben gerettet haben.
Inzwischen wurden auch meine Eltern verhaftet, nach Auschwitz geschickt, wo meine Mutter nach drei Monaten vergast wurde. Mein Vater kam nach Buchenwald und blieb dort bis zum Kriegsende.
Mein Freund, den ich damals heiraten sollte, war auch ein Offizierskind. Seine Eltern wurden verhaftet. Seine Mutter starb auf der Dienststelle der Gestapo ( sie hat angeblich Selbstmord begangen), sein Vater war bis zum Kriegsende in Dachau. Mein Freund wurde im Jahre 1944 verhaftet und zum Tode verurteilt. Er starb in Teresienstadt, sechs Tage vor dem Kriegsende.
Damals habe ich alles Deutsche gehasst. Ich wurde freiwillige Krankenschwester beim Roten Kreuz. So kam es, dass ich die Nacht zum 8.Mai 1945 im deutschen Lazarett in Kuttenberg verbracht hatte. Die deutschen Ärzte und Schwestern haben die Station schon am 6.Mai verlassen. So blieben wir dort mit hilflosen Menschen allein. Was ich dort gesehen habe war einfach schrecklich. Ich konnte die deutschen Schwestern nicht verstehen. Sie haben doch so viel von Kameradschaft und Gerechtigkeit gesungen. Damals wusste ich auch noch nicht, wie es in den Konzentrationslagern aussah. Später war ich nur froh, dass ich keinen Deutschen sehen musste. Das war in Kuttenberg. Ich habe aber vergessen, dass es in unserer großen Familie (meine Eltern hatten beide sechs Geschwister) auch gemischte Ehen gab. Sie lebten alle im Sudetenland und so erfuhr ich erst später, was noch alles geschehen war.
Meine alte Tante in Leitmeritz war Tschechin. Ihr deutscher Mann war schon länger tot, ihr Sohn war bei Stalingrad gefallen. Sie und ihre ledige Tochter wurden abgeschoben.
Mein Onkel in Lowositz war Tscheche, seine Frau halb deutsch, halb ungarisch. Ihr Sohn war Pilot und fiel in der Normandie. Sie hatte zwei Töchter. Sie heirateten tschchoslowakische Offiziere. Der eine von ihnen war Deutscher und diente nach dem Anschluss bei der SS.
Bei Tobruk wurde er verwundet und war lange nicht zu Hause. Seine Frau hat einen tschechischen Freund gefunden. Nach der Rückkehr des Ehemannes wurde sie wegen Rassenschande zu einem Jahr Gefängnis in Teresienstadt verurteilt. Bis heute ist mir nicht klar, welche Rasse sie nun geschändet hat.

Heute empfinde ich keinen Hass mehr auf die Deutschen. Die Deutschen haben sich verändert. Ich habe neulich mit deutschen Studenten diskutiert. Sie waren ehrlich, offen und demokratisch. Sie fühlten sich schuldig für etwas, was sie nicht getan haben. Die Deutschen haben gute Eigenschaften, z.B. Tüchtigkeit und Fleiß. Sie haben ein organisatorisches Talent. Und Sinn für Ordnung. Besonders das Letzte gefällt mir.
Auch bei uns ist nach dem Krieg viel passiert, was mir nicht gefiel und worauf ich nicht sonderlich stolz bin..
Auf beiden Seiten gibt es heute gute und schlechte Menschen. Heute weiß ich, dass man die Menschen nicht nach der Hautfarbe, Rasse, Nation oder Religion einteilen kann. Es gibt nur eine Unterscheidung: Anständig und unanständig.
Wie gesagt, ich empfinde keinen Hass mehr. Wenn ich jedoch einem Deutschen meines Alters begegne, kommen wieder meine Erinnerungen auf. Ich muss mir vorstellen, was er oder sie damals getan haben, wo er oder sie waren?
Man kann verzeihen, aber man kann nicht vergessen.

Ein Brief aus BuchenwaldUmschlag

Andrea

Die Deutschen und die Tschechen damals.
"Da ich hier geboren bin und bis zu meinem 18.Lebensjahr unter Deutschen gelebt habe, habe ich auch keine schlimmen Erfahrungen gehabt. Die Sudetendeutschen waren arbeitsame und sparsame Leute.Als beispielsweise Präsident T.G. Masaryk starb, waren auch die Deutschen hier sehr bestürzt und traurig darüber. Als dann in Reichenberg Henlein auftrat und unter den Deutschen Hass schürte, gab es schon einige Konflikte.
Die höheren Posten hatten die Tschechen inne. Als Hitler das Sudetenland einnahm, flohen die meisten Tschechen von hier ins Protektorat.
Mein Urgroßvater stammte aus Mähren und als Hitler einmarschierte, floh auch er in seine Heimat. Nach einem Vierteljahr kam er aber wieder zu seiner Familie zurück. Es gab hier noch einige tschechische Arbeiter. Man musste zu dieser Zeit schweigen und durfte nichts Schlechtes über die Deutschen sagen. Dann konnte man in Ruhe unter ihnen leben. Mein Urgroßvater war Maschinenschlosser in Friedland. Er arbeitete in einem Betrieb, wo auch einige Nazis waren. Deswegen ist er rausgeflogen. Er hatte aber sofort eine andere Arbeit gefunden. Wir wohnten auf dem Lande, wo man sich kannte. Dort gab es keinen Hass.
Damals hatten nur wenige Leute ein Radio. Deshalb erfuhr man auch nur wenig, was in der Welt passierte. Dass es zu dieser Zeit so viele KZs gab, wo die Menschen gefoltert wurden, das wussten nur die Nazis. Man durfte nicht darüber sprechen, sonst wäre man auch dort gelandet. Denn es gab auch unter den Deutschen viele, die mit dem Regime nicht zufrieden waren und eingesperrt wurden.
Als sich 1945 das Kriegsende näherte, war mein Bruder 18 Jahre alt und musste zum Arbeitsdienst. Im Februar, als in Dresden gerade der große Fliegerangriff durch die Engländer und Amerikaner war, schickten mich meine Eltern mit meiner Tante nach Dresden, um meinem Bruder etwas zu essen und warme Sachen zu bringen. Es herrschte ein großes Chaos auf den Bahnhöfen, alles war voll mit Flüchtlingen aus Schlesien, da sich die russische Armee näherte.
Wir fuhren gerade am Tag vor der schrecklichen Nacht los. Zum Glück konnten wir noch mit meinem Bruder kurze Zeit sprechen, die Kasernen waren in Dresden-Neustadt. In Dresden wurde hauptsächlich die Altstadt vernichtet. Als wir am Abend zurückfuhren, waren die Züge voll. Es lag in der Luft, dass etwas Schlimmes passieren würde. Die Nacht brach an, wir saßen gerade im Zug bei Pirna, da heulten auf einmal die Sirenen, alle Reisende mussten den Zug verlassen. Gegenüber lag ein Hügel, wo sich alle Leute aus dem Zug verkrochen. Kleine Kinder schrien und weinten. Über der Stadt Dresden sah man nichts als hunderte von brennenden "Christbäumen" (Leuchtkörper, die von den Bombenflugzeugen zur Zielorientierung für die Piloten abgeworfen wurden.. Es donnerte und krachte. Es war eine Nacht des Schreckens und Grauens, die tausende von unschuldigen Menschen das Leben kostete So etwas ist schwer zu vergessen.
Die Heimreise war auch nicht schön, man durfte nur 30 km fahren und musste um eine neue Fahrkarte betteln gehen. Meine Tante wohnte in Aussig. Ich musste allein weiter fahren.
Als ich zu Hause ankam, war das ganze Haus voll von Flüchtlingen. Es war eine nervenaufreibende Zeit.
Einige Tage vor Kriegsende überflogen Flieger die Stadt Friedland. Da gab es einige verrückte Nazis, die befahlen, auf die Flieger zu schießen. So wurde die Mädchenschule -sie wurde später abgerissen - und eine Fleischerei mitbombardiert. Einige Menschen kamen ums Leben.
Weil wir aus einer Mischehe waren, konnten wir nach dem Krieg in der Heimat bleiben. Wir haben es zu verstehen bekommen, dass wir keine "echten Tschechen" waren und wurden oft ausgenutzt.


Zuzana

"Beurteilen wir nicht das Ganze nach einzelnen Menschen", sagte mein Großvater, als ich ihn danach fragte, welche Beziehung er zu den Deutschen hat.

"Opa, wie sah es vor dem Krieg in deiner Familie aus?"
"Wir lebten in einem kleinen Dorf im Grenzgebiet, wo die Deutschen mit den Tschechen zusammen lebten und wo es immer in Ordnung war. Meine Mutter kam aus Deutschland, mein Vater war Tscheche. Zuhause sprachen wir deutsch, in der Schule tschechisch."

"Wie haben dich deine Eltern erzogen?"
"Ich hatte sechs Geschwister. Meine Eltern hatten nicht so viel Zeit für mich wie es heute in den Einzelkindfamilien üblich ist. Kurz vor dem Krieg haben unsere tschechischen Nachbarn begonnen uns zu hassen., weil wir eine deutsche Mutter hatten. Wir hatten aber nichts gegen Deutsche oder Tschechen. Vorm Schlafengehen hat uns unsere Mutter immer gesagt, dass wir die Menschen nicht nach ihrer Nationalität beurteilen sollen.."

"Hast du schlechte Erfahrungen mit den Deutschen während des Krieges gemacht?"
"Ich meine, dass alle, die den Krieg erlebt haben,schlechte Erinnerungen haben. Einmal sind zu uns Soldaten gekommen. Sie haben meiner Mutter einen Brief gegeben und gesagt, dass wir bis morgen Zeit haben. Meine Mutter hat den Brief dem Vater gezeigt und geweint. Wir mussten unser Haus verlassen. Am nächsten Tag haben wir zwei Koffer mit den wichtigsten Sachen gepackt und sind zu unserer Großmutter gezogen. Dort haben wir etwa zwei Monate gewohnt. Dann sind wir nach Jicín gezogen."

Reife"Wie war es mit den Schulen? Konntest du studieren?"
"Zum Glück ja. Meine Geschwister hatten die Möglichkeit nicht mehr. Ich wollte Pädagogik studieren.Bei der Anmeldung musste ich ein Stammbuch zeigen, aus dem man jüdische Vorfahren ausschließen konnte. Dann habe ich ein Angebot aus der Slowakei bekommen und angefangen in Bratislava zu studieren(Nach dem Münchner Abkommen zerfiel die Tschechoslowakei in das Protektorat „Böhmen und Mähren“ und die autonome Slowakei, die sich dem Hitlerregime angeschlossen hat.."

"Du hast also den Krieg sozusagen unbeschadet überstanden?"
"Man kann es so nennen. In der Slowakei hatte ich nicht so viele Probleme wie die tschechischen Studenten (Nach einer Stuentendemonstardemonstration zum 21. Jahrestag der Tschchoslowakischen Republik wurden 1200 Studenten im Protektorat verhaftet und alle Hochschulen geschlossen.. Ich habe etliche Briefe nach Hause geschickt, aber nie eine Antwort bekommen.. Ich musste bis zum Kriegsende in der Slowakei bleiben. Erst nach dem Krieg hat mir meine Mutter gesagt, dass sie nie einen Brief von mir bekommen haben."

"Welche Beziehung hattest du während des Krieges zu den Deutschen?"
"Ich wusste, das nicht alle Deutschen schlecht waren. Meine Beziehung hat sich nie geändert. Ich habe immer nur den Einzelnen beurteilt."

"Findest du es gut, dass ich ein deutsches Gymnasium besuche?"
"Ich bin sehr froh darüber, denn dadurch öffnen sich für dich weitere Möglichkeiten."

Eltern

Krystyna

Mein Vater ist 10 Jahre nach dem 2.Weltkrieg geboren. Seine Beziehung zu den Deutschen ist so wie das Verhältnis zu jedem Menschen aus der ganzen Welt. Er sagt, dass ein Mensch gut oder nicht gut ist.
Nach dem Krieg, den eben die Deutschen angefangen haben, ist im Unterbewusstsein der Menschen die Angst geblieben, ob die Deutschen wieder einen Krieg anfangen würden. Aber mit der Zeit hat man festgestellt, dass in Deutschland demokratische Kräfte die Oberhand gewonnen haben. Es hat sich enorm zum Positiven entwickelt. Nach der Vereinigung stellt das heutige Deutschland eine offene, demokratische, europäische und ökonomisch wichtige Gesellschaft dar. Es ist ein wichtiger und freundlicher Nachbar aller Länder Europas. Deutschland hat sich mit Frankreich und anderen europäischen Ländern versöhnt. Auch mit den ehemaligen Ostblockländern kam es, nicht zuletzt durch das Abschaffen der alten sozialistischen Regimes, zur Annährung und Unrechtsbeseitigung.
Wir Tschechen haben im Verlauf der Jahrhunderte gute, aber auch sehr schlechte Zeiten erlebt. Wir haben jedoch heute eine Chance, in dieser mitteleuropäischen Region gute Beziehungen und gegenseitigen Respekt gegenüber unseren Nachbarn zu pflegen. Wir sollen nicht in der Vergangenheit herumrühren, sondern an die Zukunft denken. Nach der Öffnung der Grenzen können wir uns gegenseitig besuchen und unsere Kulturen kennenlernen.
Die Nachkriegszeitangst der Menschen hier hat sich zu einem Gefühl des Vertrauens gewandt,dass ein großes Volk mit einem kleinen Volk in dieser Region in Frieden und Freundschaft leben kann.

Kinder

Klara

(Klara ist Schülerin der deutschen Abteilung unserer Schule. Sie darf nach ihrer Aussage an keinem Austausch mit Deutschland teilnehmen, weil sich ihre Eltern weigern, deutsche Schülerinnen zu Hause aufzunehmen. Sie hat ihr Studium an dieser Schule mit viel Kraft gegen den Willen der Eltern durchgesetzt.)

Klara ist 16 Jahre alt. Obwohl sie an keinem Austausch mit einer deutschen Schule teilgenommen hat, macht sie sich Gedanken über den Sinn des Austausches:

"Für die Schule ist ein Austausch wegen der Sprache wichtig. Eine Woche ist zwar sehr wenig, aber besser als gar nichts. Ich meine aber, dass es noch einen Sinn gibt. Wir können nämlich das Wesen der Deutschen, ihr Leben und ihre Kultur kennenlernen. Diese Erfahrungen helfen uns, die Deutschen besser zu verstehen. Wenn man jemanden persönlich kennt, dann gibt es auch weniger Ausländerfeindlichkeit. Einige Tschechen hassen die Deutschen. Das ist die Folge des 2. Weltkrieges. Ich habe Verständnis für die Leute, die sehr aufgeregt sind, wenn sie hören, dass die Deutschen ihre Häuser, die sie vor dem Krieg besessen haben, zurück haben möchten Es handelt sich um die so genannte "Sudetenfrage". Durch die Beneš-Dekrete aus dem Jahre 1945 wurde das Eigentum der deutschen und ungarischen Staatsangehörigen entschädigungslos eingezogen unter staatliche Verwaltung gestellt.). Aber diese Leute übertragen ihren Hass auf ihre Kinder, die nicht verstehen können, was im Krieg passiert ist.
Die Politiker reden oft über das Problem. Aber nur sie. Wenn die Tschechen mit den Deutschen sprächen, dann würde ein Kompromiss entsehen. Aber einige Menschen haben keine Lust miteinander zu reden. Für sie ist es besser, Vorurteile zu haben, anstatt zuzugeben, dass sie vielleicht Unrecht haben.
Ich denke, dass der Austausch wichtig ist, weil er die Grenzen zwischen den Völkern verwischt."


Mirka
Dank des Austausches mit Deutschland habe ich festgestellt, dass die Jugendlichen in beiden Ländern eigentlich sehr ähnlich sind. Da ich hier keinen Austauschschüler hatte, wusste ich gar nicht, was mich erwartet. Dann hat mir Christoph eine Karte geschickt. Ich wusste danach, dass ich keine Angst zu haben brauche. Chritoph ist ein sehr netter Junge, der schon 19 Jahre alt ist. Er hatte einen Führerschein, so dass wir überall mit dem Auto fahren konnten. Das war gut, weil wir unabhängiger waren.
Das ganze Austauschprogramm war sehr gut vorbereitet. Die meiste Zeit waren wir alle zusammen und besuchten die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Gegend. Am Abend spielten wir Billard oder gingen in die Kneipe. Dort saßen meistens die Deutschen und die Tschechen getrennt voneinander. Das lag daran, dass die Deutschen mehr rauchten als wir. Das war das einzige, was mir nicht so gut gefallen hat. Sonst waren sie alle sehr gastfreundlich.

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